Äußerer Zustand der Stadt
915
Schmuck zu Kirchen und Palästen her, und wenn wir nochheute in den ältesten Stadtbezirken über die vielen Säulen korin-thischen und jonischen Stils uns verwundern, die als Wand-pfeiler in die elendesten Häuser eingemauert sind, so mag mansich vorstellen, wie im io. Jahrhundert fast alle größeren Häuserder Stadt mit Resten des Altertums versehen waren. Der Pa-last Alberichs mochte manche antike Mosaikböden, Vasen undGefäße, doch kaum eine Statue aufweisen. Noch sah man inihm mit goldenem Bildwerk überzogene „lectuli“, Ruhelager,die mit Seidenbrocat des Orients bedeckt waren. Die Aus-stattung dieser Zimmer mit schwerfälligen Geräten in Gold-schnitzerei, mit Sesseln, die noch an das Antike streiften, mitbronzenen Candelabern, mit Schreinen, worin keine Bücherstanden, aber kostbare goldene Becher (Scyphi), oder silberneKrateren, oder Trinkmuscheln (Conchae), kann man sich ausMusiven und Miniaturen jener Zeit herstellen, wo die Luxus-mode wesentlich von Byzanz die phantastische Form, die ara-beskenartige Buntheit und die musivische Verzierung entlehnte“(Gregorovius ).
Die Gesamtzahl der alten in Ruinen stehenden Bauwerkewar im io. Jahrhundert noch sehr groß. Die meisten Triumph-bogen, Portiken, Theater, Thermen und Tempel standen nochals Zeugen der alten Herrlichkeit da.
Seit Totila hatte kein Feind Rom beschädigt. Aber keinKaiser und kein Papst mehr schützte die Monumente. DiePäpste, welche zuerst die Denkmäler als Eigentum des Staatesbetrachteten, hatten bald weder Sinn noch Zeit oder Macht,sich um ihr Dasein zu bemühen.
Die Plünderung der Stadt war den Römern freigegeben.Säulen und Marmor wurden in die Kirchen verbracht. Adelund Klerus führten Türme auf antiken Prachtmonumenten auf.Die Bürger richteten in Thermen und in den Zirken Schmieden,Hanfstrickereien und Spinnereien ein.
Auf allen Plätzen und Straßen begegnete der Blick um-gestürzten oder verstümmelten Kunstwerken, und noch warendie Portiken, die Theater und Thermen nicht derart in Schutt-