Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Stadt Rom 1009 bis 1099

häufen verwandelt, daß nicht manche ihrer Bildwerke nochgesehen werden konnten. Statuen der Kaiser und großen Römerstanden oder lagen noch unbedeckt auf dem Boden.

Der Sinn für Werke der Kunst war so vollkommen erstor-ben, daß auch nicht ein Schriftsteller jener Epoche ein Wort fürsie gefunden hat. Die Römer selbst betrachteten sie nur nochals nützliches Material. Seit Jahrhunderten war Rom einergroßen Kalkgrube gleich, in welche man den schönsten Marmorhineinwarf, daraus Mörtel zu brennen.

Das Mausoleum des August war damals noch nicht in eineFestung verwandelt. Seine hügelartige Beschaffenheit, da esmit Erde überdeckt und mit Bäumen bepflanzt gewesen, gabihm den Namen eines Berges; es hieß im io. Jahrhundert MonsAugustus, woraus die VulgärspracheAusta oderLaustamachte. Die Sage erzählt, daß der Kaiser Octavian von jederProvinz des Reiches einen Korb voll Erde auf sein Grab werfenließ, um so gleichsam im Boden der ganzen Welt zu ruhen, dieer beherrscht hatte. Nach dem Beispiele des Grabes Hadrians hatte man auch auf der Spitze des Mausoleums Augusts demErzengel Michael eine Kapelle gebaut. Neben dem Grabmalstand damals die Kirche S. Maria oder Martina in Augusta,welche später in das Hospital S. Giacomo degli Incurabili über-ging. Ringsum lagen Weingärten und Äcker jenes Klosters.

Die verfallene, mit zersplitterten Türmen versehene Stadt-mauer zog sich noch von der Porta Flaminia am Fluß bis zurHadrians -Brücke fort.

Die heutige Porta del Popolo hieß noch immer Flaminia,wie in der Graphia.

Vor dem Tore sah man noch eine Reihe von verfallenenantiken Grabmonumenten zu beiden Seiten der Via Flaminia,worunter sich das des berühmten Wagenlenkers Gutta Calpur-nianus befand.

Wo heute die Piazza del Popolo liegt, war Saat- und Garten-land, wie auf demMons Pinzi jener Zeit, auf welchem eineKirche S. Felix lag. Zu Füßen des Pincius stand auf dem Platz