Der Verlauf des 11. Jahrhunderts
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tianus genannt) auf den päpstlichen Thron, welchen derselbeals Gregor VI. zwei Jahre lang (1045—1046) inne hatte. Bene-dikt hatte sich für die Abtretung der Papstwürde den Betragvon 1000 Pfund Silber bezahlen lassen. Dieser Vorgang wurdevon der ganzen Christenheit als unerhörte Schmach empfun-den. Aber trotzdem wurde die Person Gregors VI. geradezumit Jubel begrüßt, insbesondere auch von den geistlichen Kon-gregationen, namentlich den Benediktinern der Abtei Clugny.
Es ist ein höchst bemerkenswerter Umstand, daß Gregor VI. zu seinem Capellan den Mönch Hildebrand erwählte, der30 Jahre später das Papsttum zum Gipfel seiner Macht erhobund der als Papst in dankbarer Erinnerung an Gregor VI. sichGregor VII. nannte (1073—1085).
Die tusculanischen Päpste unterordneten sich gänzlich dendeutschen Königen *), um sich mit deren Hilfe in Rom aufrechtzu erhalten gegen den Haß und den starken Widerstand einer-seits der ihnen feindlichen Adelsparteien, andererseits gegen-über der immer mächtiger aufstrebenden nationalrömischenBürgerschaft.
Als Gegenleistung boten sie den deutschen Herrschernnicht nur die Kaiserwürde, sondern die Stellung als „Königder Römer“, ein Titel, welcher vor 1013 nicht gebraucht wurde.
Eine völlige Wandlung trat ein durch das Eingreifen KaiserHeinrichs III. Dabei war von größter Bedeutung, daß diesermit den Benediktinern der Abtei Clugny und mit dem von dortaus gegründeten Orden der Cluniazenser **), sowie insbesonderemit dem Mönch Hildebrand, dem späteren Papst Gregor VII. in engster Beziehung stand.