Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Der Verlauf des 11. Jahrhunderts

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II.

Um Weihnachten 1048 traf eine römische Gesandtschaftbei Kaiser Heinrich III. in dessen Pfalz zu Pöhlde (oder Poelder)am Harz ein, um ihn wiederum um Abhilfe in dem römischenChaos zu bitten.

Der Kaiser entsprach diesen Bitten, indem er persönlich anden Rhein zog, um einen der Lothringischen Bischöfe zu derpäpstlichen Würde zu erheben. Nach vielen Bitten entschloßsich der Bischof Bruno von Toul , aber nur unter der Bedingung,daß ihn Geistlichkeit und Volk in Rom in freier Wahl zumPapste machen würden (Dezember 1048). Im Pilgergewand,mit wenigen Begleitern zog er nach Rom .

Vor der Stadt kamen ihm die Römer in feierlicher Prozes-sion und mit Lobgesängen entgegen. Bruno selbst ging zuFuß. In einer Rede setzte er den Versammelten auseinander,wie er auf Befehl des Kaisers zwar hierher gekommen sei, dieganze Freiheit der Wahl aber in ihren Händen liege. Einstim-mig ward er zum Papst ausgerufen. Er bestieg den päpstlichenStuhl als Leo IX. (10481054).

Papst Leo IX. gehört zu den Würdigsten, die je auf PetriStuhle gesessen haben. Er errettete die Kirche aus dem Ab-grund tiefster Verderbnis.

Als die hauptsächlichsten Laster und Gebrechen galten dieSimonie und derNicolaitismus.

Unter Simonie verstand man den Wucher mit geistlichenStellen,alles Kaufen und Verkaufen kirchlicher Ämter undWürden, wodurch die Wahl, Belehnung und Weihe selten andie Würdigen kam, häufig an die Untauglichsten, wenn sie zu-gleich die Meistbietenden waren, unter Nicolaitismusallefleischlichen Vergehen des Klerus gegen die Gebote der Keusch-heit, von der durch die weltlichen Gesetze und die Sitten er-laubten Ehe hinab bis zu den widernatürlichsten Verirrungender Sinnlichkeit.

Gegen beides schritt Leo IX. mit Entschiedenheit ein. Erhatte den Mönch Hildebrand von Clugny, von Besanfon, wo

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Neomario, Gesch'chte der Stadt Rom II.