Der Verlauf des 11. Jahrhunderts
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Kanzler unter 5 Päpsten die weltlichen Geschäfte des römischenStuhles geleitet hatte. Unter seinem Einfluß auch geschah es,daß Nicolaus II. in Verfolg der von Leo IX. eingeleiteten Politikder normannischen Bundesgenossenschaft, die inzwischen er-standenen Normannenfürsten Richard und Robert Guiscard imJahr 1059 persönlich mit den südlichen Provinzen Italiens undmit Sizilien belehnte. Der Papst bediente sich der Normannen-fürsten zur Eroberung und Unterwerfung der papstfeindlichenKastelle in den Sabiner- und Albaner-Bergen.
Nach dem Tode des Papstes Nicolaus II. (1061) übertrugder römische Adel dem 6 jährigen Sohne Kaiser Heinrichs III.den Patriciat und die Papstwahl. Der junge Kaiser Heinrich IV. wurde bereits im Jahre 1065 für mündig erklärt.
So zogen sich die Gewitterwolken immer drohender zu-sammen, aus welchen der Sturm hervorbrechen mußte, welcherwährend der nächsten Jahrzehnte Rom umtoste, indem Papst-tum und Kaisertum miteinander rangen.
Hildebrand hatte bereits vorher beschlossen, die Papstwahljedem Einflüsse des Kaisers zu entziehen und hatte deswegen denBischof von Lucca, als Alexander II., zum Papst wählen lassen(1061—1073). Hildebrand als sein Kanzler blieb nunmehr erstrecht die Seele der reformatorischen Kirchenzucht und derpäpstlichen Politik. Auf seine Veranlassung wurde Monte Cas-sino neu erbaut, welches unter dem Abt Desiderius (aus demFürstenhause von Benevent) an Clugnys Stelle trat.
Nach Alexander II. Tode bestieg endlich Hildebrand denpäpstlichen Stuhl als Gregor VII. (1073—108 j).
Gregor VII. war unter dem Jubel des Volkes und unterdem Zujauchzen der Kardinäle in S. Pietro in Vincoli zum Papsteausgerufen worden.
Aber der Papst hatte zu kämpfen gegen die großen Ge-schlechter, welche der Landeshoheit des Papstes spotteten unddas Dominium der Kirche in eine Menge kleiner selbständigerBaronien und Dynastien zersplitterten.