Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
926
Einzelbild herunterladen
 

926

Die Stadt Rom 1009 bis 1099

IV.

Vom Weihnachtsfest 1075 wird berichtet:

Der Papst las am heiligen Abend die Messe am Altar derKrippe in S. Maria Maggiore, als sich Geschrei und Waffenlärmvor der Kirche erhob. In die Kirche stürzte Cencius, das Hauptder Mißvergnügten, das Schwert in der Faust, mit dem ver-schworenen Adel.

Er greift den Papst am Altar bei den Haaren, schleppt denblutig Mißhandelten hinweg und sperrt ihn in seinen Turm inder Region Parione. Die Sturmglocken läuten, das Volk greiftzu den Waffen, die Priester verhüllen die Altäre, die Milizensperren die Tore.

In der Frühe des folgenden Tages stürmt das Volk denPalast der Cencius und befreit den Papst. Dieser verzeiht demSünder, falls er nach einer Wallfahrt nach Jerusalem reuevollzurückkehre. Gregor, im Triumph nach S. Maria Maggiorezurückgeführt, beendigt die unterbrochene Messe.

V.

Zu Anfang des Jahres 1076 luden Legaten des Papstes dender Simonie"') angeklagten König Heinrich IV. zur Verant-wortung nach Rom , unter der Androhung der Exkommuni-kation.

Heinrich ließ den Papst durch eine Synode deutscher Bi-schöfe zu Worms für abgesetzt erklären.

Darauf sprach der Papst gegen den Kaiser den Bann aus.

Ein deutscher Fürstentag zu Tribur (bei Mainz ) erklärteden König für abgesetzt, wenn er sich nicht binnen Jahresfristvom Banne löse.

Heinrich sah sich genötigt, die päpstliche Absolution per-sönlich einzuholen.

*) Unter Simonie wurde seit 1075 zufolge des Beschlusses einer römi-schen Synode nicht nur die Verschacherung kirchlicher Ämter, sondernjede Verleihung kirchlicher Ämter durchLaien-Investitur, auch durch denKaiser, verstanden.