Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Der Verlauf des 11. Jahrhunderts

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Die Folge war der Büßgang des Kaisers nach Canossa.(25. bis 28. Januar 1077.)

Am 28. Januar 1077 sprach der Papst den König vom Bannlos, unter Bedingungen, welche unerträglich waren und die denKeim zu der erschütternden Tragödie enthielten, welche dazuführte, daß die Stadt Rom im Jahre 1084 durch den Nor-mannenfürsten Robert Guiscard zerstört, zur Stätte verheeren-der Anarchie gemacht und einer Zeitepoche entgegengeführtwurde, welche den äußersten Tiefstand der ganzen Geschichteder Stadt Rom darbietet.

Im Jahre 1076 hatte König Heinrich IV. an den Papst ge-schrieben:

Heinrich, nicht durch Anmaßung, sondern durch Gottesheiligen Willen, König, an Hildebrand, nicht Papst, sondernfalschen Mönch.

Diesen Gruß hast du Unruhestifter verdient, der du jedenStand in der Kirche statt zu segnen, verfluchst. Die Erzbischöfe,Bischöfe und Priester hast du als willenlose Sklaven unter deineFüße getreten. Sie alle stellst du als unwissend, dich allein alsden Wissenden dar. Wir duldeten alles, aus Ehrfurcht vor demApostelsitz. Du aber hieltest Ehrfurcht für Furcht. Du erhobstdich gegen die königliche Gewalt selbst, die uns Gott verlieh,und drohtest sie uns zu entziehen, als ob Herrschaft und Reichnicht in Gottes, sondern in deiner Hand ständen. Christus hatuns zum Reich, nicht dich zum Papsttum berufen. Du gewannstes durch List und Betrug. Zum Hohn deiner Mönchskutteerlangtest du mit Geld Gunst, mit Gunst Waffen, mit denWaffen den Friedensstuhl, von dem herab du den Frieden zer-stört hast.

Am 7. März 1080 erklärte Gregor in feierlicher Sitzungdes Konzils zu Rom :Wohlan denn, ihr Väter, es möge dieganze Welt erkennen, daß, wenn ihr im Himmel binden undlösen könnt, ihr auf der Erde die Kaisertümer, Königreiche,Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften und aller MenschenBesitzungen einem jeglichen nehmen und geben könnet, und so