Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 1099 bis 1241

Die beiden Parteinamen bezeichneten anfangs nur die An-hänger der beiden hadernden Familien. Aber während desKampfes der hohenstaufischen Kaiser mit dem Oberhauptder Kirche bekamen diese Namen in Italien eine weitere Be-deutung, indem man unter Ghibellinen die Anhänger der kai-serlichen Macht und der Oberhoheit des Reiches über die Ein-zelstaaten, unter Guelfen die Verfechter der Autonomie und derpolitischen Unabhängigkeit der republikanischen Gemeinwesenbegriff. Während jene den Kaiser als weltliches Oberhaupt undSchutzherrn der italienischen Staaten und Gemeinwesen, demdie zeitliche Herrschaft und das Schwert zustehe, anerkannten,dem Papste aber nur die oberste Leitung der religiösen undkirchlichen Dinge zugestanden, strebten die Guelfen nach einerselbständigen Stellung und freien Entwickelung ihrer staatlichenOrdnungen, wobei sie dem kirchlichen Oberhaupte nur einenEhrenrang zuteilten.

Der Kampf zwischen Ghibellinen und Guelfen, welcherauch in Oberitalien schon um die Mitte des 12. Jahrhundertszu wüten begann, verschwand auch nach dem Ende der staufi-schen Kaiserherrschaft nicht. Er versetzte die Bürger fast allergrößeren Städte dauernd in Feindseligkeit.

Die Parteinamen blieben bis in das 17. Jahrhundert leben-dig, obgleich sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten.

Papst Benedikt XII. (13341342) bedrohte jedermann mitdem Bann, der sich dieser Parteinamen bediente.

Das Symbol der Ghibellinen war der Adler oder der Drache,dasjenige der Guelfen der einen Drachen zerreißende Adler,andererseits das französische Lilienwappen in verschiedenen Ab-wandlungen.

VII.

Auf den Papst Eugen III. , welcher am 7. Juli 1153 starb,folgte am 9. Juli 1153 ein Römer aus der Subura , Kardinal Cor-rado (Conrad). Dieser starb schon am 2. Dezember 1154.Dann bestieg ein Engländer, der Kardinal Nicolaus Breakspeare,