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Es war im Oktober 1253.
Nach einer Abwesenheit von mehr als 9 Jahren, nach Ab-lauf von 10 Jahren seit Beginn seines Pontifikats, in welcher Zeitihn die Römer nicht ein Jahr lang in ihrer Stadt gesehen hatten,kehrte Innocenz IV. zurück.
Kaum war er angekommen, als die Römer ihn mit Forde-rungen von Geld und Entschädigungsansprüchen jeder Art soungestüm bedrängten, daß er sich gezwungen sah, den Schutzdes mächtigen Senators Brancaleone anzurufen.
Der in Rom allmächtig gewordene Senator Brancaleone be-schwichtigte den Sturm.
VI.
Seit dem 13. Jahrhundert pflegten die italienischenFreistädte ihre jeweilig für kurze Zeit (meist 6 Monate) ge-wählten Stadthäupter aus dem Adel befreundeter Gemeindenzu nehmen. Ein auf sechs Monate zur Regierung berufenerFremder bot größere Gewähr parteilosen Regimentes und min-dere "Wahrscheinlichkeit sich befestigender Tyrannis dar, alsein mächtiger Einheimischer. Ein solcher Austausch der Ta-lente und Gewalten zwischen den Demokratien, welche ein-ander ihre berühmtesten Bürger als Rektoren darliehen, wardie Kennzeichnung und Erhärtung republikanischer Verbrüde-rung und nationaler Verbundenheit.
Weil man grundsätzlich nur bedeutende Männer als solcheStadtmachthaber (podestä) berief, so war dieses Verfahren einglänzendes Mittel zur Hervorholung bevorzugter Talente. Werdie Blüte der Aristokratie in dem großen republikanischenJahrhundert Italiens, wer dessen edelste Ritter, Feldhauptleute,Gesetzgeber und Richter kennen lernen will, der muß die Kata-loge der Podestaten in den einzelnen Demokratien jener Zeitnachsehen. Hier gewinnt man die Übersicht der angesehenenFamilien, welche im 13. und 14. Jahrhundert an der Spitze desöffentlichen Lebens standen. In einer Zeit, wo das übrigeEuropa überhaupt keine namhafte große Bürger hervor-brachte, erscheint in Italien eine solche Fülle von Staatsmännern