Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1241 bis 1260

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und Feldherren, wie Hellas und Rom sie nur in ihren besten re-publikanischen Tagen auf weisen. In dieser Epoche gewannendie italienischen Städte ihre völlige Befreiung von der Kirche,und sie gewähren ein glänzendes Bild nationalen Bürgertums,ehe dieses von den Dämonen des Parteiwesens und dem maß-losen Plebejerregiment nach kurzer Blüte zerstört wurde.

Die Römer waren daran gewöhnt, feierliche Botschaftenaus manchen Städten, selbst aus Pisa und Florenz , auf dem Ka-pitol erscheinen und um einen römischen Edlen als ihren Po-destä bitten zu sehen. Sie selbst aber hatten einen Podestä nochnie aus einer fremden Stadt geholt. Wenn sie dies im Jahre1252, während Innocenz IV. in Perugia wohnte, taten, so mußdamals die Zerrüttung ihres Gemeinwesens sich zu einer höchsttraurigen Höhe gesteigert haben.

VII.

Die Römer hatten sich an Bologna gewandt. Diese Stadtglänzte damals durch ihre Rechtsschule. Ihr Reichtum wargroß, ihre Waffenstärke furchtbar.

Der bolognesische Rat empfahl den Römern Brancaleonedegli Andalö, Grafen von Casalecchio,ein Mann aus altem Ge-schlecht, reich *) und angesehen, von strengem Republikaner-geist, ein gründlicher Kenner des Rechtes. Brancaleone ge-hörte mit seiner Natur zu den gewaltigsten Charakteren derHohenstaufenzeit.

Brancaleone erklärte sich bereit, Rom zu regieren. Dochdie Ungebändigtheit der Römer, besonders die Wildheit des rö-mischen Adels, kennend, verlangte er die Regierung für dreiganze Jahre und mit unbeschränkter Gewalt, ferner als Gewährfür seine persönliche Sicherheit die Söhne edler Römer alsGeiseln.

*) Man erzählte, daß Brancaleone dem Prinzen Eduard von England,dem nachmaligen König, als dieser nach Bologna kam, hundert mit Geschen-ken beladene Wagen schickte und daß Eduard darauf erklärte, so reich wieBologna sei England nicht.