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Das römische Volk muß in tiefster Bedrängnis gewesensein, daß es diese Forderungen bewilligte, wie es geschah.
Die Gemeindeverfassung ließ das Amt des diktatorischenSenators bisher nur für die Dauer von sechs Monaten zu. Auchmußte der Senator bisher verfassungsgemäß aus dem römischenAdel gewählt werden.
Zu den von Brancaleone gestellten und von den Römernangenommenen Bedingungen gehörte auch, daß die Gattin desmächtigen Bolognesers, die mutige und kluge Galeana, Residenzin Rom nehmen durfte, während bisher das römische Stadt-gesetz verbot, daß ein regierender fremder Senator sein Weibmitbringe.
Es gehört zur Kennzeichnung der Lage, daß ein bis zurPeinlichkeit genaues Gesetz alle Pflichten und Rechte des frem-den Senators bestimmte.
Auch die Äußerlichkeiten der diktatorischen Stellung wa-ren genau vorgeschrieben. Sie kennzeichneten die bewußt be-stimmte Eigenart des Bürgerfürsten.
Der monarchische Senator trug bei seinem öffentlichen Auf-treten ein mit Pelz gefüttertes Scharlachgewand, auf dem Elauptein Barett, ähnlich demjenigen des Dogen von Venedig. Um-geben von seinem großen Hof stellte er, in Herrscherhaltung,die Majestät des römischen Volkes dar.
VIII.
Nach seiner Wahl im August 1252 kam Brancaleone erstim Beginne des November 1252 nach Rom .
Es begleitete ihn ein stattliches Gefolge von Richtern, No-taren und Rittern, welche er in Bologna , Imola und in andernStädten, in sorgfältigster Auswahl, als Stabs- und Kabinetts-personal, als seine persönlichen Offiziellen, wie es üblich war,geworben hatte und welche man in Rom die „Familie“ desSenators nannte, und wovon sogleich noch weiter die Redesein wird.
Als Brancaleone nach der Stadt kam, wurde er mit fürst-lichen Ehren empfangen. Durch die bekränzten Straßen wurde