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II.
Um einen klaren Überblick über die vielfach verwirrtenEreignisse zu gewinnen, deren vorstehend skizziertes Ergebnisals „die Babylonische Gefangenschaft“ oder „die Zeit von Avig-non “ bekannt ist, müssen wir bis zum Jahr 1250 zurückgreifenund das Verhältnis der Päpste zu den Hohenstaufen, zu denfranzösischen Königen in Süditalien (Haus Anjou) und den Zu-sammenhang dieser Verhältnisse mit der Stadt Rom ins Augefassen.
Die Betrachtung muß ausgehen von dem italischen ReichKaiser Friedrichs II. und von der an Friedrichs Tod (1250) an-knüpfenden Thronfolgefrage.
Der legitime Thronfolger Friedrichs II. war auch in seinemitalischen Reich unbezweifelbar sein Sohn, der deutsche KönigKonrad IV. (geb. 1228, gest. 1254).
Dieser setzte seinen Halbbruder Manfred, Fürst von Tarent,als Regenten ein, und zwar als seinen Stellvertreter.
Papst Innocenz IV. (1243—1254) aber war entschlossen,die hohenstaufische Thronfolge aus der Welt zu schaffen, indemer die alte Lehnsherrlichkeit des Papstes geltend machte.
Konrad rückte darauf nach Italien und nahm mit HilfeManfreds sein neapolitanisch-sizilisches Erbreich in Besitz, zumTeil mit Gewalt (so Neapel 1253).
Konrad starb am 21. Mai 1254 zu Lavello, 2 6 Jahre alt.
Die Thronfolge gebührte nunmehr, wiederum völlig un-bezweifelbar, seinem am 25. März 1252 geborenen Sohn Kon-radin, Herzog von Schwaben.
Anstatt des zweijährigen Konradin aber ergriff Manfred die Zügel der Regierung.
Der Nachfolger des Papstes Innocenz IV., Alexander IV. (1254—1261) schleuderte den Bannstrahl gegen Manfred.
Aber Manfred nahm mit äußerster Energie die von Konrad hinterlassenen Gebiete auf beiden Seiten der sizilischen Meerenge