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jener Kreuzzüge, verengten den Horizont des Papsttums. Ausdessen Riesenbau fiel ein Stein nach dem andern; die Welt ent-zog sich ihm, und den müden Händen der Päpste begann dasSzepter Innocenz 5 III. zu entsinken.“
Der Wahlkörper der Kardinäle war auf 12 Köpfe reduziert.Dieses kleine Kollegium war zerspalten in die Faktionen derOrsini und der Colonna. In diesen beiden Faktionen erschöpf-ten sich in Rom mehr und mehr die Parteien der Guelfen undder Ghibellinen. Ihre Kämpfe bildeten fortan lange Zeit denHauptinhalt der Geschichte Roms.
Um Ostern 1293 wurden neue Senatoren gewählt, Aga-pitus Colonna, und Ursus Orsini, dessen baldiger Tod die Ur-sache neuer Fehden wurde. Das Kapitol blieb sechs Monatelang ohne Senator, der Lateran ohne Papst. Die Verwirrungwurde unerträglich, bis es den besseren Bürgern im Oktober ge-lang, die Ruhe herzustellen, indem man zwei neutrale Männerzu Senatoren machte, den greisen Petrus vom trasteveriner Ge-schlecht der Stefaneschi, welcher Rektor der Romagna, undschon früher Senator war, und Oddo, einen jungen Römer vomGeschlecht S. Eustachio.
Die Wahl des Nachfolgers Nicolaus IV. erfolgte erst am5. Juli 1294. Sie fiel einstimmig auf den Anachoreten (Ein-siedler) Petrus, welcher in einer dunklen Höhle auf dem BergMurone (bei Sulmona im Gebirge über der Ebene des Fucinus)in der Wildnis aufgesucht und nach der Stadt Aquila eingeholtwurde.
Von diesem Zuge wird berichtet: „Zahlloses Volk, Klerus,Barone, König Karl und sein Sohn, eilten herbei, den Auserwähl-ten zu ehren, und das wilde Gebirge des Murone bedeckte sichmit der seltsamsten Szene, welche die Geschichte jemals gesehenhat. Man zog nach der Stadt Aquila. Der Papst Eremit rittin seiner ärmlichen Kutte auf einem Esel, den zwei Könige mitsorgsamer Ehrerbietung am Zügel führten, während Scharenglänzender Ritter, hymnensingende Chöre der Geistlichkeitvoraufzogen, und bunte Menschenschwärme folgten, währendan den Wegen andachtsvolle Reihen knieten.“