Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1260 bis 1305

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In einer Kirche vor den Mauern Aquilas nahm Petrus alsCoelestinV. die Weihe, am 24. August 1294, unter dem Zudrangvon 200 000 Menschen, wie ein Augenzeuge berichtet.

Nach j Monaten, am 13. Dezember 1294, mußte Coelestin abdanken.

Diese Zeit hatte genügt, um den Anachoreten völlig zumSklaven Karls II. von Anjou, des neuen Königs von Neapel ,zu machen, welcher ihn nach Neapel holte.

Sicherlich hoffte Karl, von diesem Papst die Senatorwürdein Rom zu erlangen. Dies geschah freilich nicht. Ein neapo-litanischer Großer, Thomas von S. Severino, Graf von Marsica ,wurde als Senator nach Rom geschickt.

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Am 24. Dezember 1294 bestieg der Kardinal Benedikt Gae-tani als Bonifacius VIII . den päpstlichen Stuhl,ein weltkundi-ger Kardinal, ein gelehrter Jurist, ein königlicher Geist.

Derselbe stammte von einem alten Campagna-Hause ausdem in Anagni angesessenen Rittergeschlecht der Gaetani.

Beredsamkeit, tiefe Kenntnis beider Rechte, diplomati-sches Talent, würdevolles Wesen, vereinigt mit der schönstenWohlgestalt, zeichneten ihn aus.Aber die Überlegenheitseines Geistes flößte ihm statt Demut Hochmut und statt Dul-dung Verachtung der Menschen ein.

Als er Papst geworden war, beschloß er, den heiligen Stuhlallen Einflüssen zu entziehen, die bisher dessen Freiheit be-schränkt hatten. Die Hoffnung Karls, das Papsttum in Neapel festzuhalten, scheiterte. Römische Gesandte begrüßten Boni-facius , und übertrugen ihm die senatorische Gewalt, worauf er,nach seiner Ankunft in Rom, einen sehr angesehenen Mann, denHugolinus de Rubeis von Parma zum Senator einsetzte.

Der Einzug und das Krönungsfest am 23. Januar 1295 imS. Peter wurden mit unerhörtem Pomp gefeiert. Das Papst-tum,welches eben erst das fast nach Ketzerei aussehende Ge-