Von 1260 bis 1305
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Colonna, ein wahrer Campagnafürst, sehr befreundet mit Karl II. von Neapel, erschien in Rom mit ungewöhnlichem Glanz. DasVolk führte ihn auf einem Wagen im Triumph aufs Kapitol,und akklamierte ihm als Caesar, als er gegen Viterbo und andereStädte ins Feld zu ziehen unternahm.
Nicolaus IV. , meist in der Sabina, in Umbrien, oder inViterbo wohnend, hatte in Wirklichkeit keine Gewalt überRom . Er mußte es ruhig geschehen lassen, daß die Römer imJuli und August 1290 einen wütenden Krieg gegen Viterbo un-ternahmen, welches sich geweigert hatte, der Stadt Rom Va-sallendienste zu leisten. Der Papst vermittelte dann den Frie-den.
Johann Colonna, noch immer alleiniger Senator und Herr-scher Roms, schloß den Frieden im Namen des römischen Vol-kes am 3. Mai 1291 auf dem Kapitol.
Dieser feierliche Staatsakt zeigt die Republik unter derRegierung des mächtigen Johann Colonna als so völlig sou-veräne Macht, wie sie es zur Zeit Brancaleones gewesen war.
Die Herrschaft des Colonna rief unter dem Adel heftigenWiderspruch hervor. Die Orsini verlangten und erlangten, daßauch aus ihrer Partei der Senat besetzt wurde. Zuerst wurdePandulf Savelli im Jahre 1291 wiederum Senator, im folgendenJahr aber teilten sich Stephan Colonna, der ehemalige Graf derRomagna, und Matheus Raynaldi Orsini in die senatorischeGewalt.
Nicolaus IV. starb am 4. April 1292 im Palast bei S. MariaMaggiore, den er sich erbaut hatte.
Gregorovius bemerkt hierzu: „Kurz vor Nicolaus IV. waram ij. Juli 1291 Rudolf von Habsburg gestorben, ohne dieKaiserkrone erworben zu haben. Zugleich hatte der Verlust vonAccon, der letzten christlichen Besitzung in Syrien, am 18. Mai,das große Weltdrama der Kreuzzüge beschlossen. Diese zwei-hundertjährigen Heerfahrten Europas hatten dem Papsttum alsstarke Hebel der Weltherrschaft gedient. Das Auf hören desgroßen Kampfs der Kirche mit dem Reich, und das Erlöschen
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