Wir können diese Kämpfe hier nicht verfolgen und müssenanstattdessen unsere Darstellung dem Jahre 1300 zuwenden,welches das erste Jubeljahr, das heißt das Hundertjahr-Jubiläumder Stadt Rom wurde, welches in der christlichen Zeit begangenwurde.
VIII.
Das hundertjährige Jubiläum der Stadt war im alten Rom durch glänzende Spiele begangen worden. Doch die Erinnerungdaran erlosch in der christlichen Zeit, und kein Bericht erzählt,daß vor dem Jahr 1300 Schluß und Beginn eines Saeculum imchristlichen Rom durch Kirchenfest gefeiert wurden.
Die früheren massenhaften Pilgerfahrten zum S. Peter hat-ten während der Kreuzzüge aufgehört. Nach deren Erlöschenaber erwachte die alte Sehnsucht der Völker wieder, und zogsie nach den Apostelgräbern.
Um die Weihnachtszeit 1299 (mit Weihnachten schloß derStil der römischen Curie das Jahr) begannen Scharen nach demS. Peter zu ziehen.
Ein Ruf von Sündenablaß und Pilgerung nach Rom erschollin der Welt, und brachte sie in Bewegung.
Dem immer stärkeren Zuge gab Bonifacius Form und Sank-tion, indem er am 22. Februar 1300 die Jubelbulle verkündigte,welche allen denen, die während des Jahres die Basiliken SanktPeter und Paul besuchen würden, völligen Sündenablaß verhieß.Die Einheimischen sollten dreißig, die Fremden fünfzehn Tagelang diese Wallfahrt fortsetzen. Nur die Feinde der Kirchewurden ausgeschlossen. Als solche bezeichnete der Papst Fried-rich von Sizilien, sowie die Colonna und ihre Anhänger.
Der Zudrang war beispiellos. Rom bot Tag und Nachtdas Schauspiel von heergleich hereinströmenden und heraus-ziehenden Pilgern dar.
„Ein Betrachter dieser großen Szene konnte von einer Höheder Stadt herab von Süd, Nord, Ost und West Menschenschwär-me gleich wandernden Völkern auf den alten Römerstraßen