Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 1241 bis 1305

herankommen sehen, und wenn er sich unter sie mischte, Mühehaben, ihre Heimat zu erraten. Es kamen Italiener, Provenfalen,Franzosen, Ungarn, Slaven , Deutsche, Spanier, selbst Englän-der.

Italien gab den Wandernden die Straße frei und hielt Got-tesfrieden.

Sie zogen einher im Pilgermantel, oder in den National-trachten ihrer Länder, zu Fuß, zu Pferde, auf Karren, Müde undKranke führend, beladen mit ihrem Gepäck. Man sah hundert-jährige Greise von ihren Enkeln geleitet, und Jünglinge, welchewie Aeneas Vater oder Mutter auf ihren Schultern nach Rom trugen. Sie redeten in vielen Landessprachen, aber sie sangenin der einen Sprache der Kirche Litaneien, und ihre sehnsüchti-gen Vorstellungen hatten ein und dasselbe Ziel. Wenn sie inder sonnigen Ferne den finstern Wald der Türme der heiligenStadt erscheinen sahen, so erhoben sie den JubelrufRoma!Roma!, wie Schiffer, die nach langer Fahrt auf tauchendes Landentdecken. Sie warfen sich zum Gebete nieder, und richtetensich auf mit dem inbrünstigen Geschrei: S. Petrus und Paulus ,Gnade!. An den Toren empfingen sie ihre Landesgenossenund Verpflegungsbeamte der Stadt, ihnen Herberge zu weisen,doch sie zogen erst zum S. Peter, die Treppe des Vorhofs aufKnieen zu ersteigen, und warfen sich dann mit Ekstase am Apo-stelgrabe nieder.

Man sagt, daß täglich 30 000 Pilger aus- und einzogen, unddaß 200 000 Fremde sich täglich in der Stadt befanden. DerUmfang Roms wurde nach langer Zeit zum ersten Mal wiederhinreichend belebt, wenn auch nicht ausgefüllt. Eine muster-hafte Verwaltung sorgte für Ordnung und für billige Preise.Das Jahr war fruchtreich. Die Campagna und die nahen Pro-vinzen schickten Vorrat in Hülle und Fülle. Ein pilgernderChronist erzählt:Brot, Wein, Fleisch, Fische und Hafer warenreichlich und billig auf dem Markt, das Heu aber sehr teuer;die Herbergen so kostbar, daß ich für mein Bett und für dieStallung meiner Pferde, außer dem Heu und Hafer, täglich einenTorineser Groschen bezahlen mußte. Als ich am heiligen Christ-