Von 1305 bis Ende 1347
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Gleichzeitig machte die Stadt in ihrer äußeren Gestaltungund in ihrem Kulturleben die tiefste Krisis ihrer ganzen Ge-schichte durch. Sie wurde im 14. Jahrhundert zum menschen-leeren Trümmerfeld mit Viehweiden und sumpfigem Gelände,wo man Enten jagte. Dann aber erhob sie sich unter den ge-nannten Päpsten erstaunlich rasch zu der höchsten Blüte jenerKultur, deren innere Stärke auf dem Humanismus und derenGlanz auf den Wundern der Renaissance beruhte.
Die Kraft zu dieser Entwicklung war im Stillen heran-gewachsen, neben und unter dem äußeren Unglück der Stadt.
Die beiden für das Papsttum politisch gefährlichsten Jahr-hunderte wurden in der Folgezeit hoch verehrt als „trecento“und „quattrocento“. Ihr Beginn ist durch die Namen DanteAlighieri (1265—1321) und Giotto (1276—1337), ihr Beschlußdurch den Namen Raffael Santi (1483—1520), ausgezeichnet,während in der Mitte Francesco Petrarca (1304—1374) und Fie-sole (1387—1453) glänzen.
II.
Wir gehen zu den Grundzügen der eigentlichen Stadt-geschichte einschließlich ihrer wesentlichsten auswärtigen Be-ziehungen über.
Uber die Kaiserkrönung Heinrichs VII. , welche am 29. Juni1312 im Lateran durch die Kardinäle („Kardinaldelegaten“) desPapstes Clemens V. stattfand, während der Vatikan von denAnhängern des Königs von Neapel und von den mit ihnen ver-bündeten Orsini besetzt war, ist in unserem XVIII. Buch be-richtet worden *). Wie Kaiser Heinrich VII. am 20. August 1312von Rom abzog, wird von Gregorovius folgendermaßen ge-schildert:
„Der Kaiser ging auf demselben Wege hinweg, den er ge-kommen war. Mit ihm waren noch Balduin von Trier , Ama-deus von Savoyen, Johann von Fores, Robert von Flandern,Nicolaus von Botont, der Marschall Heinrich, Joffred von
*) S. oben Seite 831—834.Neomarlo, Geschichte der Stadt Rom II.
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