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Das 14. und 15. Jahrhundert
Die feindlichen Häuser Colonna und Orsini zerrissen Rom ,wie die Guelfen und Ghibellinen andere Städte. Sie zähltengleich starke Anhängerschaften, besaßen in allen römischenLandschaften Kastelle und Burgen, und stützten sich auf Ver-bündete und Schutzverwandte auch in entfernten OrtenUmbriens und Toscanas .
Keine der beiden Parteien konnte die andere bewältigen.
Die Römer schrieben verzweifelte Briefe an den Papst. Sietrugen ihm förmlich die volle städtische Gewalt an.
Doch Johann XXII. erschien nicht in Rom .
Während dessen war fast der ganze Kirchenstaat in offenerEmpörung gegen den Papst. Die Städte der Romagna warfendas Joch der Kirche ab, erbittert über die Gewalttätigkeit ihrerRektoren und Kastellane. Während der avignonesischen Epo-che sandten die Päpste fast nur Gascogner und Franzosen ,meistens ihre Verwandten, als Regenten in die Provinzen undStädte des Kirchenstaates. „Unbekannt mit dem italienischenWesen und ohne Liebe zu Land und Volk, in der Regel zuihrem wichtigen Amt ganz untauglich, benutzten diese Rek-toren, wie die Prokonsuln im alten Rom , ihre Amtsdauer, umReichtümer zu erpressen und ihre Macht fühlen zu lassen“.
Eine neue Flagellantenplage erhob sich. Flagellantensammelten sich diesseits wie jenseits der Alpen. Zur Weih-nachtszeit 1333 predigte der Dominikaner Fra Venturino vonBergamo Buße in der Lombardei . Er zog Tausende hinter sichher. Man nannte diese Büßer „die Tauben“, von dem Ab-zeichen einer weißen Taube mit dem Ölzweige auf ihrer Brust.Venturino hatte ihnen eine Tracht nach Art der Dominikaner gegeben. In der rechten Hand trugen sie den Pilgerstab, in derlinken den Rosenkranz . Schwärmer und Abenteurer folgtenseiner Fahne, zumal die Disziplin der Geißelung nicht allzustrenge war. Der Mönch führte seine Banden nach Florenz , woman sie drei Tage lang bewirtete und sich viele Florentiner an-schlossen. Man wallfahrtete weiter über Perugia nach Rom , uman den verlassenen Apostelgräbern zu beten und Frieden zustiften.