„Fra Venturino rückte in der Fastenzeit 1334 mit einemHeer von mehr als 10 000 Menschen nach Rom , welche wieHeuschrecken die Landschaften durchzogen. Es waren dar-unter Bergamasken, Brescianer, Mailänder, Mantuaner, Floren-tiner, Viterbesen, welche, in Fähnlein von 25 Mann geordnet,hinter Kreuzen einhergingen mit dem Gesänge von Litaneienund dem Ruf: Friede und Erbarmen!“
Die Brüder von der Taube waren Menschen, welche nichtGeld nach Rom brachten, sondern Verpflegung beanspruchten.Man nahm sie jedoch willig auf, und Fra Venturino erhieltWohnung im Dominikanerkloster S. Sixtus auf der Via Appia.Die Zucht seiner Scharen war gut. Er predigte ihnen am Tage,Abends sangen sie die „laudes “. Sie stifteten eine Fahne mit demBilde der Jungfrau zwischen zwei violinespielenden Engeln.
Der Mönch entbot eine Volksversammlung aufs Kapitol,wo er Buße predigen wollte.
„Die Römer hörten in Stille auf seine Rede. Aber sie kriti-sierten seine Fehler im Latein. Sie riefen ihm Beifall zu, als ererklärte, daß der Papst in Rom seinen Sitz haben müsse. Aberals er sie aufforderte, ihm das Geld, welches sie für die gottlosenKarnevalspiele auf dem Platze Navona bestimmt hatten, zufrommen Zwecken hinzugeben, fanden sie, daß er ein Narr sei“.
Der Papst Johann XXII . starb im Alter von 90 Jahren am4. Dezember 1334 zu Avignon. Gregorovius urteilt über ihn:„Seine lange Regierung hatte er ohne andere Liebe, als die zumGold, in unchristlichem Streit und Haß hingebracht. AusHerrschbegier hatte er die Welt mit Krieg erfüllt“. Pastorschreibt: „Er war überaus hilfsbereit gegen Arme, Pilger undGefangene und hatte eifrig wissenschaftliche Bestrebungen ge-fördert. Trotzdem hinterließ er einen ansehnlichen Schatz“.
IV.
Den päpstlichen Stuhl bestieg nach Johann XXII . Tode,als Benedict XII. (1334—1342) der Kardinal von Santa Prisca,Jacques Fournier , eines Müllers Sohn aus Saverdun in Lan-guedoc, Cisterciensermönch, Doktor der Theologie, von Jo-