Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Das 14. und 15. Jahrhundert

hann XXII. zum Kardinal erhoben, ein gelehrter Mann von derstrengsten mönchischen Richtung, hart und rauh, aber gerecht.

Die Römer hatten gleich nach des neuen Papstes Erhebungdenselben feierlich nach der Stadt gerufen, und er hatte die Ge-rechtigkeit ihrer Wünsche anerkannt. Er war aufrichtig ge-neigt, ihre Bitte zu gewähren. Aber kaum war seine Absichtlaut geworden, so hintertrieb der französische König ihre Aus-führung, und Benedict mußte sich, wie er seufzend bekannte,fürdas Verbleiben des Heiligen Stuhles in der GefangenschaftFrankreichs entscheiden. Er war es, der schließlich an derMöglichkeit verzweifelte, daß angesichts der römischen Partei-fehden ein Papst in Rom residieren könne.

Die Parteien in Rom waren durch keine Vermittlung zuversöhnen.

Die Faktionen verschanzten sich gegeneinander in Rom ,und versperrten eine der andern die Zugänge. Stefan Colonnahatte vier Brücken besetzt, die übrigen hatte Jacob Savelli undsein Anhang inne. Am 3. September 1335 zerstörten die Or-sini den Ponte Molle.

Es war am Ende des Jahres 1336, als sich Petrarca auf denGütern seines Freundes, des Grafen Ursus von Anguillara, inCapranica bei Sutri , aufhielt.

Er blickte mit Entsetzen auf den heillosen Zustand desLandes, welches von feindlichen Banden und Räubern durch-schwärmt wurde, wo der Hirt im Buschwalde bewaffnet dieHerden hütete, der Ackersmann mit Schwert und Lanze hinterdem Pflug herging, und alles nur Haß und Krieg atmete.

Als Petrarca von Capranica nach Rom reisen wollte, holtenihn die Colonna mit 100 Reitern ab, um ihn sicher durch diefeindlichen Scharen der Orsini zu geleiten.

Im Jahre 1337 setzte das Volk in Rom den Beschluß durch,daß dieSignorie dem Papst Benedict übertragen wurde.

Die Römer ernannten den Papst zum Senator und zumKapitän, zum Syndikus und zum Defensor der Republik aufLebenszeit.