Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1347 bis 1378

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Steigerung aller Preise und Arbeitslöhne, empfindlicher Mangel,endloser Streit um das Eigentum, Sittenlosigkeit und Schwel-gerei, und plötzliche Veränderung der Lebensformen. DieLockerung der bisher gewohnten Bande der Gesellschaft wirktenachteilig auf den bürgerlichen Geist in den Republiken, unddie Pest des Jahres 1348 schwächte diese vielleicht mehr, als dieTyrannis und das Freibeuter wesen, deren Verbündete sie war.

In Rom gibt die Marmortreppe von Aracoeli , welche imOktober 1348 erbaut wurde, Kunde von der Pest. Sie sollte dieGläubigen zu jener Kirche emporführen, wo das Bildnis derJungfrau verwahrt wird, welchem die Römer die Befreiung vonder Seuche auch diesmal, wie schon vor Jahrhunderten, zu-schrieben.

Über das Erdbeben ist berichtet:Am 9. und 10. Septem-ber wurde Rom so heftig erschüttert, daß die Bewohner ihreHäuser verließen und "Wochen lang in Zelten lebten. Die Ba-silika der zwölf Apostel stürzte ein. Der Giebel des Lateranfiel nieder. S. Paul ward in einen Trümmerhaufen verwandelt.Der berühmte Turm der Milizen stürzte bis zur Hälfte herab.Der Turm der Conti erlitt starke Beschädigung. Das Colosseumund viele andere antike Bauwerke litten schweren Schaden.

Diese Schrecken regten das Volk auf und steigerten dasVerlangen nach dem Sündenablaß des Jubeljahrs.

II.

Als Ersatz für das pomphafte Schauspiel der weltherr-lichen Majestät der ewigen Stadt, welches der Tribun den Rö-mern gegeben hatte, bot ihnen für das Jahr 1350 der Papst dieSensation eines zweiten Jubeljahres, welches ihnen die Größe derKirche wieder vor Augen führte und für den Papst das besteMittel war, sich Roms wieder zu versichern.

Daß ein festes Regiment, Sicherheit der Straßen, und Ord-nung des Marktes die Bedingung für den Erfolg des Jubeljahreswar, wußte jeder Römer. Es begegnete daher allgemeiner Genug-tuung als der Papst den Kardinal Gerald de Ventodur aus Limo-