Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1075
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Kapitel 111.

Von 1378 bis 1420.

i.

as Konklave, welches Gregor XI. einen Nachfolgerzu geben hatte, trat am 7. April 1378 im Vatikan zusammen. Es bestand aus vier Italienern undzwölf Franzosen. Es war offensichtlich, daß dieFranzosen wenig Neigung besaßen, ihr Übergewicht nicht aus-zunutzen. Aber die klügste politische Berechnung versagtegegenüber der leidenschaftlichen Nationalbewegung des römi-schen Volkes.

Die ganze Stadt war in höchster Erregung. Die Glockenläuteten Sturm. Vor dem Vatikan sammelten sich Volksmassenund verlangten stürmisch einen italienischen, einen römischenPapst. Die Kardinale hatten keine Zeit zu langen Verhand-lungen. Sie mußten eine Erstürmung des Vatikans fürchtenund sich darum mit der Wahl aufs äußerste beeilen. Als einenMann, der den Franzosen wie den Italienern genehm war, er-wählte das Konklave den Erzbischof von Bari, BartolomeoPrignano, der zwar Italiener , aber Untertan der neapolitanischenAnjous war und für einen halben Franzosen galt.

Das römische Volk gab sich mit dieser Entscheidung zu-frieden, und am 18. April krönte man Urban VI. (13781389)zu Sankt Peter.

Die Stadt Rom war dem Papst Urban VI. , als dem Vertreterdes nationalrömischen Papsttums, ganz ergeben. Er setzte dieSenatoren ein und ernannte andere Magistrate auf beliebige Zeit.Der Bischof von Corduba hat berichtet, daß Rom niemals einemPapst so gehorsam gewesen sei, wie Urban VI.

Urban VI. war eine leidenschaftliche Persönlichkeit vollerWidersprüche. Er war sittenstreng, pflichteifrig, gewissenhaft,aber von krankhafter Reizbarkeit, rücksichtslosestem Selbst-bewußtsein und von unerhörter Heftigkeit. Ohne Ziel und