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Das 14. und 15. Jahrhundert
Maß gab er sich ganz dem Genuß der Macht und der "Würdehin, zeigte offen seine radikale Stellungnahme zu Gunsten derrömischen Residenz, brüskierte Frankreich und Neapel , und ver-feindete sich in kürzester Zeit mit den französischen Kardinalen,denen er drohte, an ihnen die so notwendige Kirchenreformzuerst durchzuführen.
Ende Mai 1378 verließen die französischen Kardinale Rom und zogen nach Anagni unter Berufung auf den Beginn dergesundheitsgefährlichen römischen Sommerzeit.
Sie erklärten unter Beitritt der italienischen Kardinäle dieWahl Urbans VI. für ungültig und wählten einstimmig dengewissenlosen, energischen Kardinalerzbischof Robert von Genfzum Papst: „Clemens VII“.
Da Urban VI. nicht gesonnen war, nachzugeben, war hier-mit das große Schisma der abendländischen Kirche hereingebro-chen, welches in den nächsten 4 Jahrzehnten das ganze Abend-land zerrüttete.
II.
Gegenpäpste hatte es zwar früher schon oft gegeben; alleinsie hatten sich gewöhnlich nur kurze Zeit zu halten vermocht,weil ihre meist durch die weltliche Macht bewirkte Erhebungmehr oder minder offen den Charakter des Unrechts und derGewalt an sich trug. Dieses Mal war es anders.
„Nicht wie einst von den Staufen , dann von Ludwig demBayern, nicht von der weltlichen Gewalt, war das Schisma desJahres 1378 ausgegangen, sondern von den Kardinälen, demhohen Klerus selbst. Und dann: die Wahl Urbans VI. warunter so eigentümlichen Verhältnissen erfolgt, daß es nichtschwer war, die Wahrheit zu verhüllen und zu entstellen. DenFernerstehenden war überdies die Prüfung des Tatbestandesnicht möglich. Endlich war die Tatsache, daß alle, die Ur-ban VI. zum Papste gewählt hatten, sich von ihm lossagten,sehr geeignet, die Geister einzuschüchtern und zu verwirren.
„Wie schwierig oder unmöglich es für die damaligen Men-schen war, zu erkennen, welcher von den Prätendenten der wahre