Von 1378 bis 1420
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und rechtmäßige Papst sei, kann eine spätere Zeit nicht leichtermessen. Für die damals herrschende grauenhafte Verwirrungder Ansichten ist nichts bezeichnender, als daß auf beiden Sei-ten Persönlichkeiten standen, die als Heilige verehrt wurden.“<W. v. Pastor).
Urban bemächtigte sich der Stadt Rom und hielt dort Re-sidenz, nicht mehr im altehrwürdigen Papstpalast des Lateran ,sondern in dem strategisch geschützter liegenden Vatikan , derkünftighin der Sitz des Papsttums bleiben sollte.
Die erste bedeutsame Handlung des Papstes war die Schaf-fung eines Kardinalkollegiums, bestehend aus ungefähr 20 Ita-lienern. Er war klug genug, sich die römischen Adelsgeschlech-ter dadurch zu verbinden, daß er ihnen reichlich Platz in demneuen Kollegium gönnte.
Der Gegenpapst Clemens VII . war mit seinem Hof nachFrankreich gezogen und hatte zu Avignon Wohnung genom-men.
Das Schisma beherrschte alsbald das Abendland. Spanien ,Neapel, Frankreich und die ihm verwandten Fürstenhäuser, dazueinzelne deutsche Fürsten hielten zu Clemens VII. Italien , dasReich, Skandinavien und England blieben Urban VI. treu.Jeder Papst exkommunizierte den anderen und dessen Anhang.Die ganze Christenheit war in Bann. In Wirklichkeit wußteniemand, auf wessen Seite das Recht war.
„Es ist mit Recht bemerkt worden, daß man sich schwereinen Begriff von der Furchtbarkeit des Zustandes machen kann,in den das Schisma die Christenheit versetzte. Die Folgen derSpaltung erschütterten den gesamten Rechtszustand der Kirche,sie machten sich allenthalben geltend. Es gab nun nicht bloßzwei Kardinalskollegien, sondern in vielen Diözesen sah manzwei Bischöfe mit dem Schwert um den Bischofstuhl, zwei Äbteum die Abtei, zwei Pfarrer um die Pfarrei streiten. Ein König-reich erhob sich gegen das andere, schrieb der Abt Ludolf vonSagan , eine Provinz gegen die andere, die Geistlichkeit, die Ge-lehrten, die Familien spalteten sich.“ (W. v. Pastor).