Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Das 14. und 15. Jahrhundert

Schwerer war die Klage über den von Calixtus geübten Ne-potismus.

Nachdem seine beiden Vorgänger durch ihre Abkehr vomNepotismus das Ansehen des Papsttums erhöht hatten, kehrteder Spanier Borja zu der Familienpolitik Martins V. zurück.

Man nannte die ganze Faktion der Borgia dieCatalanen..

Die Nepoten herrschten im Vatikan . Ihr größter GegnerScarampo war »ach den Meeren Asiens entfernt worden. Ihranderer Feind, der fürstlich reiche Latino Orsini, mußte Rom verlassen, weil Prospero Colonna auf Seiten der Borgia stand.

Unter dem Einfluß der Borgia erlitt Rom eine spanischeInvasion. Massenweise strömten Verwandte und Anhängerdieses Hauses als Glücksjäger aus Spanien in die Stadt. Seitdieser Zeit drangen spanische Sitten und Moden, sogar spanischeSprache oder Sprachweise in Rom ein *).

Der einflußreichste Nepote war ein Schwestersohn desPapstes, Don Pedro Luis Borgia. Der Papst machte ihn zumBannerträger der Kirche und zum Stadtpräfekten, wobei er ihnin Erinnerung an älteren Gebrauch, mit dem Stirnreifen krönte.Ferner erhielt Pedro den Befehl über die Engelsburg wie überandere päpstliche Kastelle.

Wie die Dinge mit den Nepoten sich dann schnell änderten,zeigt folgender Bericht über die letzten Tage des Papstes Calix-tus III.

Anfang August 1458 legte sich der Papst zum Sterbennieder. Alsbald erhoben sich die Orsini , um die Colonna unddie Catalanen niederzuwerfen. Der für sein Leben zitterndeDon Pedro übergab den Kardinälen die Engelsburg um den

*) Es wird berichtet:Seitdem Valencia den Vatikan in Besitz ge-nommen hat, gefallen unseren Männern und unseren Frauen nur noch spa-nische Laute, spanische Akzente" (a nostri huomini et alle nostre donnehoggimai altre voci altri accenti havere in bocca non piaceva, che spagniu-oli"). Diese Äußerung steht in denProse della volgar lingua des BemboPietro (14701547).