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Das 14, und 15. Jahrhundert
gebigkeit, Leutseligkeit, Friedensliebe eine der beliebtesten Per-sönlichkeiten Roms. Seine Beliebtheit wurde noch gesteigertdurch sein imponierendes Äußeres, seine schöne Gestalt, seinewürdevolle Haltung. Wenn Paul II. bei hohen Festen an denkirchlichen Funktionen teilnahm, waren die Beschauer vonseiner Persönlichkeit, seiner kostbaren Gewandung und der Ma-jestät seines Auftretens hingerissen. Prachtliebe, die sich mitfeinem Kunstsinn verband, umgab die Person Pauls II. miteinem Nimbus, der nicht nur die Menge faszinierte.“
Die Persönlichkeit, die Art des Lebens und WirkensPauls II. wird veranschaulicht durch seine bauliche Haupt-schöpfung, den „Palazzo di S. Marco“, den jetzigen Palazzo diVenezia, dessen Bau er persönlich betrieb, und wobei er alseiner der ersten Vorkämpfer der Renaissance auf trat, indemer mit der Gotik brach und die Theorien des Vitruvius anwen-den ließ.
Ein ganzes Straßenviertel mußte niedergerissen werden, umdem in echt römischen Verhältnissen gedachten Neubau Platzzu schaffen. Obgleich fast die ganze Regierungszeit des Papsteshindurch fortgearbeitet wurde, war der Palast, welcher die neuausgeschmückte Markusbasilika fast wie eine Schloßkapelle insich aufnahm, bei seinem Tode nicht vollendet. Aber auchunvollendet war der ernste, zinnengekrönte Bau, mit seinenlanggedehnten Fassaden und mit seinen sparsam verteilten Fen-stern eines der mächtigsten Monumente Roms, in welchem sichder Übergang der mittelalterlichen Burg zum Palaste der Re-naissance höchst glänzend offenbarte.
Seit dem Jahre 1466 hatte Paul II. in diesem, am Fuße desKapitols, im Gewaltbereiche der befreundeten Colonna gele-genen erhabenen Palaste mitten in dem inzwischen neu be-völkerten und baulich neu erstandenen Zentrum des altenRoms während eines großen Teils jedes Jahres seine Residenzaufgeschlagen. Namentlich im Sommer, wenn die vatikanischeGegend von Fieber heimgesucht wurde, wohnte der Papst inS. Marco. Sehr oft aber dehnte sich der Aufenthalt des Papstesauch in die Wintermonate aus.