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Das 14. und 15. Jahrhundert
denen selbstsüchtiges Wesen und heißblütige Kraft sprachen,sowie ein Charakter, welcher schrecklich sein konnte.
Als er gewählt wurde, war er Kardinal von S. Pietro inVincoli.
Am 25. August 1471 fand auf dem Lateranplatz die feier-liche Papstkrönung statt. Vorher, am 13. August, gab derPapst den Kardinalen in der Engelsburg ein Festmahl. Nachdemselben wurden die von Paul II. aufgehäuften Gelder undKostbarkeiten besichtigt. Die Besichtigung dieser Schätze nahmden Past und die Kardinäle den ganzen Tag in Anspruch. Nachder Mitteilung, welche ein Kardinal dem Gesandten des Herzogsvon Mailand machte, fand man zunächst 54 silberne Schalen,angefüllt mit Perlen, die auf 300 000 Dukaten geschätzt wurden.Diese Becher wurden von allen Kardinälen versiegelt. Ihr In-halt sollte zur Bestreitung der Ausgaben für den Türkenkriegverkauft werden. Dann fand man die Edelsteine und das Goldder beiden Tiaren, welche Paul II. aufs neue herzurichten be-absichtigte. Man schätzte diese Kostbarkeiten auf 300 000 Du-katen an Wert. Einen herrlichen Diamanten, auf 7000 Dukatengeschätzt, erhielt der Kardinal Estouteville zum Pfand für Gel-der, die er dem verstorbenen Papste vorgestreckt hatte. DieMenge von Gold, Silber, Edelsteinen, Schmucksachen und son-stigen Kostbarkeiten, welche sich den Erstaunten darboten,wurde auf eine Million Dukaten gewertet. Alle diese Schätze,welche nicht zu berühren der neue Papst geschworen hatte,wurden von den Kardinälen versiegelt und dem Kastellan derEngelsburg zur Verwahrung übergeben.
Unmittelbar nach dem Regierungsantritt Sixtus’IV. schriebder Gesandte des Markgrafen von Mantua: „Dieser Papst zeigtdie Absicht, mit jedermann auf einem guten Fuß zu stehen.“Bei dieser Einstellung spielte das Bemühen des Papstes eine Rolle,einen Kreuzzug gegen die immer gefährlicher werdenden Tür-ken zustande zu bringen.
Höchstes Mißfallen erregte überall in Rom der krasse Ne-potismus des Papstes.