Von 1447 bis 1484
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„Wie Rom unter Calixtus III. spanisch, unter Pius II. siene-sisch gewesen war, so wurde es unter Sixtus IV. ligurisch“. Sei-nen Neffen Giuliano della Rovere , den Sohn seines BrudersRafael, (später Papst Julius II. ), machte er zum Kardinal vonS. Pietro in Vincoli und zum Erzbischof von Avignon . Aufseinen Neffen Pietro Riario häufte er so große Benefizien, daßsich dessen Einkommen auf 6 o ooo Goldgulden (z 400 000 Fr.)belief. Pietro Riario starb 2 Jahre nach seiner Erhebung. Er hattefür seinen Tisch 300 000 Dukaten ausgegeben, 700 000 DukatenSchulden und 300 Pfund kunstvoll gearbeitetes Silber hinter-lassen.
Für seinen Neffen Girolamo Riario beteiligte Sixtus sichan der furchtbaren Verschwörung der Pazzi gegen die Mediciin Florenz (1478).
Das politische und persönliche Regiment Sixtus’ IV. wirdtreffend von F. Gregorovius wie folgt gewürdigt.
Mit Sixtus IV. begann im Papst der Landesfürst so starkhervorzutreten, daß die Nachfolger Petri jener Zeit als Dy-nasten Italiens erscheinen, welche nur zufällig zugleich Päpstesind und statt der Herzogskrone die Tiara tragen. Diese ganzweltlichen Bahnen erforderten auch mehr als je ganz weltlicheMittel: Finanzspekulation, Ämter- und Gnadenhandel, gewis-senlose Staatskünste, Nepotenherrschaft. Der Nepotismus, niezuvor so rücksichtslos betrieben, wurde das Prinzip aller Hand-lungen Sixtus’ IV. Die Nepoten waren der Ausdruck der per-sönlichen Landeshoheit der Päpste und zugleich die Stützen wieWerkzeuge ihrer weltlichen Herrschaft, ihre vertrauten Mini-ster und Generale. Der Nepotismus wurde zum System desrömischen Staates. Er ersetzte die in diesem fehlende Erb-lichkeit. Er schuf für den Papst eine Regierungspartei undauch einen Damm gegen den Widerspruch des Kardinalskolle-giums.
„Als Oberhaupt der christlichen Religion verabscheuungs-würdig, besaß Sixtus IV. als weltlicher Fürst viele jener großenEigenschaften, welche die Herrscher Italiens zu seiner Zeit aus-
Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.
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