Von 1447 bis 1484
1131
VIII.
In den Zeitraum, welchem das gegenwärtige Kapitel ge-widmet ist, fallen zwei Jubeljahre, 1450 und 1475, deren Ver-lauf hier berichtet werden soll.
Am 19. Januar 1449 verkündete Nicolaus V. „das Jubel-jahr“, umgeben von dem gesamten „Heiligen Kollegium“, infeierlicher Weise.
Das „Goldene Jahr“ nahm am Nachmittage des 24. De-zembers 1449 mit der feierlichen Eröffnung der „HeiligenPforte“ in der Laterankirche seinen Anfang.
Der Zudrang von nah und fern war ungeheuer. Ein Au-genzeuge vergleicht die herbeiströmenden Pilgerscharen mit denZügen schwärmender Stare und dem Gewimmel von Ameisen.
Der Papst suchte allen die Reise durch Italien zu erleichternund zu sichern.
In der Ewigen Stadt traf er die umfassendsten Vorbereitun-gen für die geregelte Zufuhr von Lebensmitteln. Doch war dieMasse der Pilger so überwältigend, daß die Maßnahmen sichals ungenügend erwiesen. Nach einer Notiz des Enea SilvioPiccolomini sollen täglich 40 000 Menschen durch die KirchenRoms gezogen sein.
„Niemals“, schreibt der Chronist Christophorus a Soldo,„hörte man von einer größeren Menge Christen, die zum Jubi-läum eilten, als diesmal. Leute von allen Ständen der ganzenchristlichen Welt zogen täglich in solcher Menge nach Rom , daßsich Millionen in der Stadt befanden.“
An der Jubiläumsfeier in Rom beteiligte sich eifrig auch derPapst, solange er in der Stadt weilte. Man sah ihn mit bloßenFüßen die Stationen besuchen. Die Abhaltung der Fasten-predigten in Rom übertrug er dem berühmten Minoriten Ro-berto von Lecce, der bereits 1448 zur Zeit der Pest die Ge-müter der Römer auf das tiefste erschüttert und viele Ver-söhnungen und Bekehrungen bewirkt hatte.
72 *