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Das 14. und 15. Jahrhundert
Jeden Sonntag erteilte der Papst in St. Peter den feierlichenSegen. Da infolge des unaufhörlichen Zuströmens der Gläu-bigen der Mangel an Nahrungsmitteln immer fühlbarer wurde,machte der Papst das Zugeständnis, daß jeder Pilger nach reu-mütiger Beichte und dreitägigem Kirchenbesuch schon denvollen Ablaß gewinnen könne. Der Andrang der Pilger währtevon Weihnachten an den ganzen Monat Januar hindurch. Danntrat eine so merkliche Abnahme ein, daß sämtliche Wirte un-zufrieden wurden. Um die Mitte der Fastenzeit erschien vonneuem eine so große Masse von Pilgern, „daß bei dem gutenWetter alle Weingärten von Pilgern erfüllt waren, die ander-wärts keine Schlafstelle hatten finden können“. In der heiligenWoche war die Zahl derer, die von St. Peter kamen oder nachdorthin zogen, so ungeheuer, daß das Hin und Her über dieTiberbrücke bis in die zweite und dritte Stunde der Nacht un-vermindert andauerte. Das Menschengewimmel war hier sofurchtbar, daß die Soldaten der Engelsburg im Verein mitanderen jungen Männern — ich selbst war oft dabei, sagt derChronist — damit beschäftigt wurden, das Gedränge der Volks-massen mit Stöcken zu zerteilen und auf diese Weise nochgrößere Unglücksfälle zu verhüten. In der Nacht sah manviele der armen Rompilger unter den Hallen schlafen, andereherumirren, nach dem verlorenen Vater, Sohn oder Genossensuchend. Eines Tages (am 18. September 1450) wurden auf derEngelsbrücke 200 Menschen zertreten oder in den Fluß ge-schleudert. Zum Gedächtnis dieser Verunglückten wurden amEingang der Brücke zwei Kapellen gebaut. Dieser Zustanddauerte bis zum Himmelsfahrtsfest. Dann sank die Zahl derPilger, weil die Pest wiederkehrte. Alle Spitäler und Kirchenwaren nunmehr voll von Kranken und Sterbenden.
Am 2$. Oktober 1450 kehrte der Papst, welcher die Som-merszeit in Falviano unter ängstlichen Quarantäne-Maßregelnverlebt hatte, nach Rom zurück.
Das Zuströmen der Wallfahrer begann jetzt von neuem,begünstigt durch die friedlichen Zustände Italiens . Ein Augen-zeuge Paolo dello Mastro berichtet: