Von 1447 bis 1484
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„Es kam so viel Volk nach Rom , daß die Stadt die Fremdennicht fassen konnte, obgleich jedes Haus zur Herberge gewordenwar. Die Pilger baten um Gottes willen, man möge sie gegengute Bezahlung beherbergen, aber Tausende mußten im Freienübernachten. Sämtliche Pilger verließen jeden Sonntag Rom ,aber an jedem folgenden Samstag waren alle Häuser wieder voll-ständig besetzt. Wenn du nach S. Pietro gehen wolltest, so wardies unmöglich wegen der Menschenmassen, welche die Straßeerfüllten, und so war stets S. Paolo von Andächtigen angefüllt,S. Giovanni in Laterano angefüllt, S. Maria Maggiore angefüllt,ganz Rom angefüllt. Wenn der Papst den feierlichen Segen er-teilte, waren in der ganzen Umgebung von S. Pietro alle Plätze,selbst die umliegenden Weinberge, von denen man die Loggiader Segenspendung erblicken konnte, mit Pilgern dicht besetzt.Aber diejenigen, die den Papst nicht sehen konnten, waren mehrals der andern, und dies dauerte bis zum Weihnachtsfest.“
Manetti, der Biograf Nicolaus’ V. , berichtet, daß um jeneZeit in Rom 1022 Osterien in Betrieb waren.
Rompilger, welche das Jubiläumsjahr Martins V. erlebthatten, fanden das Bild der Ewigen Stadt verändert. Die zumHimmel ragenden Türme der Adelsburgen und die großartigeRuinenwelt der Römerzeit , woraus Pinien und Zypressen trau-ernd herabsahen, waren im wesentlichen noch dieselben. Abersonst machte sich allenthalben die Restaurationstätigkeit Ni-colaus’ V. bemerkbar. Überall sah man geschäftige Händetätig, die Umwandlung zu beschleunigen.
Über dem durch Sixtus IV. schon am 2 6 . März 1472 feierlichverkündeten und durch umfassende bauliche Arbeiten seit demHerbst 1474 vorbereiteten Jubeljahr 1475 stand ein wenigerglücklicher Stern.
Der Andrang der Pilger zum Jubiläum, welches am Weih-nachtstage des Jahres 1474 seinen Anfang nahm, entsprach nichtden hochgespannten Erwartungen der Römer.
Die Kriege in Frankreich, Burgund, Deutschland, Ungarn, Polen, Spanien und anderen Ländern, sagt der Chronist von