Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Das 14. und 15. Jahrhundert

Kaiser Friedrich III. hat aber noch eine zweite Romfahrtunternommen, und zwar im Dezember 1468.

Es hieß, der Kaiser komme nach Rom , um ein Gelübde zulösen. In Wahrheit aber kam er, um mit dem Papst wegenMailands, Ungarns, Böhmens und des Türkenkrieges sich zu be-sprechen.

Als Kaiser Friedrich in der Weihnachtszeit 1468 über Fer-rara wirklich heranzog, erregte dies die Furcht des Papstes.

Der Papst Paul II. zog deswegen Truppen in die Stadt.

Als der Kaiser aber mit einem Gefolge von nur 600 Reiterneintraf, wurde er feierlich empfangen, obwohl er spät in derNacht selbst in Rom ankam. Der Kardinal Bessarion begrüßteihn am Tor del Popolo. Mit Fackeln zog man nach dem S.Peter, wo der Papst seinen Gast empfing. Der päpstliche Zere-monienmeister hat über diesen Vorgang als Hofbeamter folgen-den Bericht geschrieben.

Die Leutseligkeit, welche der Papst dem Kaiser bewies,erschien um so größer, als die päpstliche Autorität keineswegsgeringer geworden ist, als sie vor Zeiten war, vielmehr jüngstbedeutend gestiegen ist. Denn die römische Kirche ist durch dieGeschicklichkeit der Päpste, und zumal diejenige Pauls II. , sosehr an fürstlicher Gewalt und Reichtum vermehrt worden,daß sie heute den größten Königreichen gleichsteht. Dagegenist das Imperium des römischen Kaisers doch in so tiefem Verfall,daß von ihm kaum mehr als der Name übrig geblieben ist.Bei diesem Wechsel der Dinge muß man daher auch das kleinsteZeichen päpstlicher Artigkeit sehr hoch anschlagen.

Der Hofbediente rühmte es,daß sich der Papst zweimalherabließ, den Kaiser zu besuchen, daß er, mit ihm gehend, ihnstets an der linken Hand faßte, ihm erlaubte gleichen Schrittmit ihm zu halten, ihm winkte, mit ihm sich niederzusetzen,kurz ihn so behandelte, als wäre er seinesgleichen.

Der Thron, auf welchem dem Kaiser des Abendlandesneben dem Papst zu sitzen erlaubt wurde, reichte indeß nur sohoch, als der Fußschemel des Papstes. Demütig beugte sich der