1152
Das 14. und 15. Jahrhundert
dir allein wird erwartet, was so viele versäumt haben. Dirallein steht der Ruf und die Ehre zu, zu sorgen, daß die wissen-schaftlichen Studien in ihre alte Würde und in ihr altes An-sehen wieder eingesetzt werden, daß die edelsten Künste wiederaufleben.“
Als Nicolaus einst hörte, daß es in Rom noch ausgezeichneteLiteraten gebe, die von ihm ungekannt und ungeehrt im verbor-genen lebten, rief er aus: „Wenn sie tüchtig sind, warum kom-men sie denn nicht zu mir, der ich auch Mittelmäßige aufnehmeund belohne?“
Es bildete sich in Rom bald ein „Musenhof“, an dem dieberühmtesten Gelehrten der Zeit vertreten waren.
Überblickt man die bunte, vielgestaltige Schar dieses Mu-senhofes, so fällt auf, daß fast alle Mitglieder von auswärtsstammten, ebenso wie die Künstler, die Nicolaus V. beschäftigte.Nur einer von allen Mitgliedern des Musenhofes konnte sichrühmen, ein Römer zu sein.
Rom war auf dem Gebiete der Wissenschaft und Lite-ratur, trotz Petrarca und Cola, rückständig und unfruchtbar ge-blieben. Einzelne Würdenträger der Kirche zeichneten sich durchliterarisches Interesse aus. Aber weder Klerus, noch Adel, nochVolk zeigten in ihrer großen Mehrheit Verständnis undEmpfänglichkeit für die literarischen Ziele und Gedanken despäpstlichen Mäzen Nicolaus.
Durch seine rastlosen Bemühungen gelang es Nicolaus V. ,in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit eine Bibliothek zusammen-zubringen, die in ihrer Art einzig dastand. Diese des Apostoli-schen Stuhles würdige Sammlung sollte öffentlich sein, zugäng-lich für alle Gelehrten. Ihr fleißigster Benutzer war der Papstselbst, wie das Inventar der Bücher zeigt, die man nach seinemTode in seinem Arbeitszimmer fand; es waren 56 Codices, aus-gezeichnet durch schöne Schrift und kunstvolle Einbände, haupt-sächlich lateinische und griechische Klassiker, außerdem Justi-nus, Lactantius und Eusebius .