Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Renaissance

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fünfundzwanzig Jahre Bewohner anzuziehen gesucht. DerPlan Nicolaus V., der mit dem beabsichtigten Neubau des Vati-kans und der Peterskirche auf das engste zusammenhängt, be-zweckte nichts Geringeres als einen vollständigen Umbau derzerfallenen Leostadt zu einer monumentalen Residenz.

Vom Kastell aus sollten drei gradlinige Straßen zu einemgeräumigen vor der Kirche angelegten Platze führen, sodaß diemittlere Hauptstraße auf die Basilika zuging, die zur rechtenauf den Palast, die zur linken auf die demselben im Bereich desneronischen Zirkus gegenüberliegenden Bauten. Alle drei wa-ren dem Plane gemäß von Bogengängen begrenzt, mit Kauf-mannsbuden in verschiedenen Abteilungen für die einzelnenGewerke, darüber Wohnungen für die zum päpstlichen Hofhaltgehörenden Personen, bei deren Anlage auch Gesundheitsrück-sichten in Betracht kamen, da das vatikanische Viertel in bezugauf die Luft in üblem Rufe stand. Der Platz sollte zweihundertEllen in der Länge, hundert in der Breite messen, in der Mittedie Kolossalgruppe der Evangelisten, den neronischen Obelisktragend, auf dessen Spitze die eherne Statue des Heilands zustehen kommen würde. Am Ende des Platzes sollten die Stufenzur Plattform führen, zu beiden Seiten derselben reich verzierteGlocken türme, zwischen ihnen ein Vestibulum mit fünf Türenals Einlaß zu den mit einem großen Brunnen geschmückten,an beiden Seiten mit Portiken eingefaßten Vorhof, auf welchendie Vorhalle des Domes folgte, in welchen ebensoviele Türeneinließen.

Die Kirche war als fünfschiffige Säulenbasilika gedacht, mitKapellenreihen längs den äußersten Seitenschiffen, mit einerGesamtlänge von zweihundertfünfunddreißig Ellen, hundert-zwanzig Ellen Breite im Langhause, hundert Ellen Höhe mitreichverzierter Wölbung, Rundfenstern an den Oberwänden, inder Kreuzung des Lang- und Querschiffs der Papstaltäre, in derim Halbkreise geschlossenen Tribüne der päpstliche Thron mitden Sitzen der Kardinäle und der ganzen Kurie.

Ein Bleidach sollte die Kirche schmücken, neben welcherein großer Friedhof zur Aufnahme sowohl der Papst- wie ande-rer Gräber bestimmt war.