Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1484 bis 1492

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und Stiergefechte halten. Auch der Kardinal Borgia gab vorseinem Palast nach spanischer Sitte Stiere dem Volke preis. Eswar Karnevalszeit, im Februar, und selten sah Rom Spiele vonso ausgesuchter, heidnischer Pracht.

X.

Ein anderes bedeutendes politisches Ereignis war die am28. Januar 1492 erfolgende Einigung des Papstes mit KönigFerrante von Neapel, welche den Prinzen Don Ferrantino, denSohn Alfonsos von Calabrien nach Rom führte.

Man empfing diesen Prinzen mit den höchsten Ehren. SeinVerwandter, der Kardinal Ascanio, bewirtete ihn in seinem Pa-last am Hospital der Deutschen mit einem Bankett von so großerÜppigkeit, daß der Annalist Infessura sagte, jede Schilderungdieses Gastmahls würde als lächerlich übertrieben erscheinen.

Der Prinz und sein zahlreiches Gefolge wohnten im Vati-kan . Er war mit 900 Reitern und einem Zuge von 260 Maul-tieren gekommen. Trocken berichtet der Chronist:Das Ge-folge bedankte sich schließlich beim Papst für die genosseneGastfreundschaft dadurch, daß es die Gemächer bis auf die Tep-piche ausraubte.

Die Anwesenheit Don Ferrantinos verherrlichte zugleichdas Fest der Empfangnahme einer christlichen Reliquie hohenRanges, nämlich der Lanzenspitze, mit welcher der Heiland amKreuz war verwundet worden.

Ein türkischer Gesandter brachte die Antiquität nach An-cona, von wo sie Bischöfe nach Narni trugen. Hier holten siesodann zwei Kardinäle ab. Am 31. Mai übergab Julian Roverebei S. Maria del Popolo das in einem Kristallgefäß verwahrteKleinod dem Papst, und die Prozession zog nach dem St. Peter.Der schon leidende Papst erteilte dem Volk von der Loge imPorticus den Segen, während Borgia die Lanzenspitze neben ihmhoch in den Händen hielt. Hier stellte sich auch der türkische