Alexander VI. 1492 — 1503
1191
erleichterte. Sein ältester Sohn Don Pedro Luis war nach Spa-nien hinübergegangen, am dortigen Hof mit Ehren aufgenom-men worden, und hatte sich unter den Augen des Königs imMaurenkriege des Jahres 1485, zumal bei der Erstürmung Ron-das durch Tapferkeit ausgezeichnet. Ferdinand belohnte ihndamals, indem er ihn und seine jüngeren Brüder Cesar, Juan undJofre in den hohen Adel Spaniens auf nahm, und ihm Gandia(Provinz Valencia) mit dem Herzogstitel verlieh. König Ferdi-nand genehmigte ferner die von dem ehrgeizigen KardinalBorgia begehrte Verlobung dessen Sohnes mit Donna Maria,der Tochter des Don Enriquez, des Oheims Ferdinands, wo-durch der junge Emporkömmling dem königlichen Hause ver-wandt werden sollte. Allein Don Pedro Luis kehrte, ehe dieseVermählung vollzogen wurde, nach Rom zurück und wurde imSommer 1488, erst 30 Jahre alt, vom Tode hingerafft. In sei-nem am 14. August im Palast seines Vaters gemachten Testa-ment hatte er seinen Bruder Don Juan zum Erben Gandias er-nannt und der Schwester Lucrezia ein Legat von 10 000 Florenvermacht.
Alexander VI. änderte im Jahre 1492 in Hinsicht seiner Fa-milie gänzlich seinen Sinn. An seinem Krönungstage ging erdazu über, seinen bis dahin in Pisa studierenden Sohn Cesare alsseinen Nepoten zu proklamieren. Er verlieh ihm das ErzbistumValencia. Im ersten Konsistorium, am 1. September, ernannteer Juan Borgia, Bischof von Monreale, zum Kardinal von SantaSusanna.
Bald nahmen die Borgia wie unter Calixtus III. die wich-tigsten Hofämter ein, und dieses Geschlecht, zahlreich undfruchtbar, war nicht gewillt, sich wie Cibo, mit Titeln, Heiraten-und Wuchergeschäften zu begnügen.
III.
König „Ferrante“ (Ferdinand I.) von Neapel (1458—1494)durchschaute zuerst die Natur Alexanders VI. und entwarf demspanischen Hof das erste richtige Bild von dem Wesen dieses.Papstes. „Das Leben, welches der Papst führe, sei schamlos und