Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

abscheulich; an nichts anderes denke er, als seine Kinder großzu machen.

Spanien war damals durch ein großes Ereignis aufgeregt,durch den Ruf elektrisiert, daß jenseits der Meere eine neue,wunderbare Welt entdeckt worden sei. Der große Columbuswar heimgekehrt, und am 6. März 1493 in Lissabon gelandet.

Dem Ozean entstieg Amerika , und diese neue Erde zeigteder europäischen Menschheit, die sich so tief in das wieder-entdeckte Altertum versenkt hatte, daß die Kultur noch weitereKreise zu beschreiben habe, als jene, deren Mittelpunkte Jeru-salem, Athen und Rom gewesen waren.

Portugal und Arragon haderten alsbald um die Grenzenihrer neu entdeckten Länder, und sie appellierten an das Schieds-gericht des Papstes.

Alexander VI. zog (1493) den kühnen Strich von Pol zuPol über den Erdglobus, um alles entdeckte oder zu entdeckendeLand 100 Meilen westlich von Cap Verde und den Azoren Spa-nien zuzusprechen.Der spanische Papst nahm damit denletzten Akt großzügiger spanischer Politik vor.

IV.

Am 12. Juni 1493 vermählte Alexander seine am r8. April1480 geborene Tochter Lucrezia mit Giovanni Sforza von Pe-saro, dem natürlichen Sohne Constanzos, dessen Vater Alessan-dro ein Bruder Francescos I. gewesen war.

Dieses Hochzeitsfest wurde mit großer Pracht im Belvederedes Vatikans gefeiert, wie man es seit Innocenz VIII. bei päpst-lichen Familienfesten gewöhnt war. Der Papst, viele Kardinäleund Bischöfe, die Gesandten Frankreichs, Mailands und Vene-digs, die Magistrate Roms, 150 edle Frauen und deren Männernahmen daran teil.

An der Festtafel sah man den Papst und die Kardinäle ingemischter Reihe mit den Frauen sitzen, während heitere Ko-mödien vorgeführt wurden. Lucrezia war vorher schon zwei-mal verlobt worden.