Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Alexander VI. 1492 bis 1503 1211

von den Straßen verschwunden. Aber die Höfe und Kellerwaren mit toten Tieren und sonstigem Unrat bedeckt. Nicht indrei Monaten wird es möglich sein, sie zu reinigen. Die Kähneauf dem Tiber , die Mühlen und alle alten Häuser sind vernichtet,ebenso sämtliche Pferde der niedrig gelegenen Ställe. In Torredi Nona sind viele Gefangene ertrunken. Die Gräben um dieEngelsburg sind noch bis oben mit Wasser angefüllt. Viele Ar-beiter in den Weinbergen sind umgekommen. Am Freitag abendfischte man an der Ripa Grande einen halbtoten Menschen auf,der sich krampfhaft an einem schwimmenden Baumstamm hielt.Er war bei Monte Rotondo, elf Miglien von Rom , vom Wasserüberrascht und fortgeschwemmt. Die Ordensbrüder von S.Paolo haben gestern unsern Botschafter besucht. Sie erzählten,daß die Flut bei ihrer Kirche bis zum Hauptaltar emporstieg;ihr wißt wie hoch derselbe ist, und könnt daraus ermessen, wiees an anderen Orten ausgesehen haben muß.

Wahrhaftig, seitdem Rom ist, war keine größere Uber-sch wem mung.

Im Anschluß an die Darstellung der Überschwemmung von1495 sei hier sogleich auf eine im November des Jubeljahres ijoodie Stadt Rom erschreckende Überschwemmung hingewiesen,über welche ein Zeitgenosse berichtet:

Gegen Ende des Jubeljahres wurde Rom durch ein großesUnglück heimgesucht. Nachdem es viele Tage vorher geregnethatte, fing am 1. November der Tiber an auszutreten. Er über-schwemmte nicht nur die Ufer, sondern auch die benachbartenHäuser. Im Verlaufe von zwei Tagen war der Weg nach demVatikan abgeschnitten. Am 4. November nahm die Über-schwemmung eine noch größere Ausdehnung an. In vieleHäuser und Kirchen drangen die Fluten ein. Dieses Hoch-wasser dauerte fünfzehn Stunden an. Dann trat der Fluß insein Bett zurück. Die Straßen waren derart mit Schlamm an-gefüllt, daß sie kaum gangbar waren. Man tröstete sich damit,daß die Überschwemmung vor fünf Jahren noch weit schlimmergewesen sei.

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