Kirche und der Christenheit schädlich zu verhindern gesucht.Die Auszeichnung eines Mannes, der als Feldherr seine volleUnfähigkeit bewiesen, auf Kosten kirchlichen Gebietes war umso anstößiger, als ganz Rom den unsittlichen Lebenswandel desHerzogs kannte.
Am 9. Juni 1497 ernannte der Papst den Kardinal CesareBorja zum Legaten, damit er in Neapel den neuen König Fede-rigo kröne.
Mit dem Jahre 1497 trat derjenige Borgia auf die italischeGeschichtsbühne, welcher in den nächsten Jahren alle andernpolitischen Persönlichkeiten zurückdrängte und der seitdem alssittliches Ungeheuer im Gedächtnis der Welt fortgelebt hat.
Sein Wesen mit geschichtlicher Zuverlässigkeit zu schildern,können wir hier nicht unternehmen. Denn eine Reihe von Tat-sachen, welche hierfür die Voraussetzung bilden würden, ist ge-schichtlich nicht genügend klargestellt und viel umstritten.
Daß eine Anzahl verruchter Mordtaten von Cesare be-gangen ist, daß sein eigener Vater ihm alles zutraute und sichselbst vor ihm fürchtete, obgleich er ihn zärtlich liebte, istsicher, ebenso daß seine Zeitgenossen ihn in der Hauptsachenicht so sehr verachteten als bewunderten *).
Im Jahre 1493 schrieb der ferrarische Gesandte Venedigs:„Cesare ist von großem und ausgezeichnetem. Genie und vonvornehmem Naturell. Er trägt die Art eines Fürstensohnes zurSchau. Er ist ausnehmend fröhlich und heiter, ganz und garFestlichkeit. Zum geistlichen Stande hatte er niemals Neigung.Aber sein Benefizium trägt ihm mehr als 16 000 Dukaten ein“.
Übereinstimmend sind folgende Schilderungen überliefert:Vielseitig gebildet, schätzte Cesare die Kunst und die Künstler,verkehrte mit Dichtern und Malern und hatte einen eigenenHofpoeten. Seine eigentliche Liebhaberei waren aber dasKriegshandwerk und die Politik. Mit einem nicht gewöhnlichenmilitärischen und administrativen Talent vereinigte er eine
*) Uber die Literatur s. L. v. Pastor, Geschichte der Päpste Bd. III (8. Aull.1926) S. 365.