Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

ganz außerordentliche Willenskraft. Um zur Macht zu gelan-gen, schreckte er vor der Anwendung auch der schlimmstenMittel nicht zurück.Ein echter Condottiere, war er einMeister in allen ritterlichen Übungen und tat es dem bestenEspada im Stiergefecht zuvor. Mit einem einzigen Hieb trennteer einmal einem mächtigen Stier den Kopf vom Rumpfe.

Sein dunkel gefärbtes Gesicht war später durch zahlreicheleicht eiternde Flecken entstellt, weshalb er beim Ausgehenmeist eine Maske trug. Der Blick der funkelnden, tiefliegendenAugen verriet seinen unheimlichen Charakter.

Er besaß alle Eigenschaften des kalten Staatsmannes invollem Maße: tiefe Schweigsamkeit, List und Heuchelei, plan-volle Berechnung, schnelles Handeln zur rechten Zeit, erbar-mungslose Grausamkeit, Kenntnis der Menschen, Verwertungvon Tugend und Laster zu einem und demselben Zweck. Erkonnte gerecht sein, und er war freigebig bis zur Verschwen-dung, aber nie aus Natur. Er führte den Grundsatz durch, daßein überlegener Geist jedes Mittel zu seinem Zweck verwendendürfe.

Selbst durch seine unersättliche Sinnlichkeit ließ er sichnicht verleiten, den Forderungen seines durchdringenden Ver-standes untreu zu werden.

IX.

Am ij. Juni 1497 wurde in Rom der Sohn Alexanders VI.Juan (Giovanni) Herzog von Gandia, Sessa und Benevent er-mordet.

Die Umstände, unter welchen dies geschah, heischen eineausführliche Berichterstattung im Rahmen der römischen Stadt-geschichte, weil sie ein grelles Licht auf die Zustände der Stadt,die Regierung Alexanders VI. und der Familie Borgia werfen.

Am Abend des 14. Juni 1497 speisten der Herzog von Gan-dia und sein Bruder Cesare Borgia mit einer Anzahl von Freun-den, darunter der Kardinal Monreale, bei ihrer Mutter Vanozzade Cataneis in einer Vigna bei Pietro ad Vincula zur Nacht.