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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
der Pest außer dem Kriege, Greuel über Greuel an allen Orten.Ein Gerücht wird das andere jagen. Kaum hört man hier vomEinfall eines Barbarenheeres, sofort zeigt sich dort ein anderes.Ein Gerücht von Westen, ein Gerücht von Osten; Gerüchteüber Gerüchte von allen Seiten. Dann werden sie nach Visi-onen von Propheten verlangen und werden keine erhalten; dennder Herr wird sagen: jetzt ist das Prophezeien an mir. Sie wer-den zu den Astrologen laufen, und es wird ihnen nichts helfen.Das Gesetz der Priester wird untergehen, und sie werden ihreWürden verlieren. Die Fürsten werden sich in härene Gewän-der kleiden und die Völker vom Unglück zermalmt werden.Verzweiflung wird die Menschen ergreifen, und so wie sie ge-richtet haben, werden sie gerichtet werden.“
XII.
Die Stadtgeschichte Roms in der Zeit von 1497 bis 1503,das heißt während der letzten 6 Regierungsjahre Alexanders VI. zu schildern, ist eine Aufgabe, welche dadurch auf einen kleinenUmfang beschränkt wird, daß die Stadt Rom als solche in diesenJahren so gut wie gar keine Geschichte gehabt hat.
Was damals äußerlich wie innerlich die Stadt Rom bewegte,waren fast ausschließlich Vorgänge, deren Schauplatz teils derganze, durch Columbus in Rotation versetzte, durch die ameri-kanischen und indischen Perspektiven erweiterte Erdbereichbildete, teils das durch den Aufstieg Spaniens und Frankreichs umgewälzte europäische Staatengebiet, teils endlich die ganzevöllig umgestaltete italische Halbinsel.
Diese Vorgänge bewegten auch Rom und die Römer instärkstem Maße. Aber sie können nicht im Rahmen der Stadt-geschichte zur Darstellung gebracht werden.
Andererseits ist in jenem Zeitabschnitt (1497 bis 1503) Rom der Schauplatz von wilden Kämpfen lokaler Natur gewesen,welche mit lokalrömischer Entwickelung nichts zu tun hatten,sondern, außerhalb jeder Politik liegend, triebhafte Produkteder Gier Einzelner (Papstsöhne, andere Nepoten, Kardinäle)oder ganzer Familien und Geschlechter (Orsini, Colonna, Bor-