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ersten Bildhauer Italiens .“ Der größte Genius der höchstenKunstepoche der Neuzeit erhob sich in der Schreckenszeit derBorgia unter deren Augen.
Michelangelo hatte die Pieta im Auftrag des Kardinals Gio-vanni de Villiers de la Grolaye, des französischen Gesandtenbeim Papste, geschaffen.
In schöner, weltgeschichtlicher Perspektive hat man gesagt,daß diese Pieta mit ihrer Darstellung des erschütterndstenSeelenschmerzes und des höchsten Symbols des Christentums,welches 1499, also in dem Jahr nach der Verbrennung Savona-rolas (23. März 1498), zu Rom aufgestellt wurde *), den er-habensten Protest gegen die Schändung der Religion unterAlexander VI. darstellte.
XV.
Am 7. April 1498 starb plötzlich König Karl VIII . vonFrankreich. Ihm folgte als Ludwig XII. sein Vetter, der Sohndes Herzogs von Orleans.
Der französische Monarch zeigte dem Papst seine Thron-besteigung an und betonte dabei seine gute Gesinnung.
Alexander VI. beeilte sich darauf, mit Ludwig XII. in eineenge Verbindung zu treten.
Die Annäherung an Frankreich , die bisher der Papst soheftig bekämpft hatte, führte schnell zu einem festen Bunde.
Seit dem Spätjahr 1497 arbeitete Cesare Borgia mit allenMitteln darauf hin, in den weltlichen Stand zurückzukehren, einFürstentum zu erhalten und sich mit einer Prinzessin zu ver-mählen.
Der Papst war anfänglich diesen Plänen abgeneigt. AlleinCesare stimmte ihn um, und bald verfolgte Alexander VI. alsnächstes Ziel, Cesare mit einer Prinzessin zu vermählen, die ihmals Mitgift ein Fürstentum und dem Papst die Stütze einergroßen Macht bringen sollte.
Neomario, Oeschichte der Stadt Rom II.
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