Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1492 bis 1513

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fürstlichen Stellung in den glänzendsten Werken der Baukunst,Skulptur und Malerei verkörpern und der Kirche die geistigeWeltherrschaft sichern, indem er Rom zum Mittelpunkt deskünstlerischen Lebens erhob.

Nicht das Verlangen des Nachruhms oder persönliche Lieb-haberei war Beweggrund seiner großartigen Tätigkeit. Wieseine politische Tätigkeit lediglich die Sicherung und Vergröße-rung des weltlichen Besitzes des Heiligen Stuhles bezweckte, sowar auch das Ziel seines künstlerischen Strebens die Verherrli-chung der Kirche und des Papsttums.

Unter seinem Pontifikat haben vor allem drei Männer dempäpstlichen Rom den Glanz der Königin der Renaissance ge-geben: Bramante, Michelangelo, Raffael .

Unter Julius II. wurde die Renaissance zur künstlerischenKlassicität. Die Kunst war der Stempel des Zeitalters wie desitalienischen Volksgeistes geworden. Sie drückte ganz so eineKultur aus, wie im Altertum. (Gregorovius.)

Uber das persönliche Verhältnis Julius II. zu der Kunstund zu den Künstlern besitzen wir eine Fülle von genauenNachrichten, welche F. Gregorovius folgendermaßen zusammen-faßt:Julius II. liebte die Künste nicht als Enthusiast des Schö-nen, sondern als ein großer Charakter, der eine entschiedeneRichtung auf das Plastische besaß. Mit echt römischem Ehr-geiz wollte er seiner Regierung, man kann sagen dem Geistseines Papsttums, in erhabenen Schöpfungen die monumentaleForm geben. Die reife Zeit brachte ihm Genies ersten Rangesentgegen. Er brauchte sie nur zu erkennen, zu rufen, und siekamen, sich und ihn unsterblich zu machen. Diese Meisterwaren für Julius II. die Mittel zu seinem großen Willen derUnsterblichkeit, den erst sie zur Tat gemacht haben.

Die Tätigkeit Julius II. auf dem Gebiete der Kunst kommtnicht zu ihrem Rechte, wenn man sie, wie geschieht, als Mae-zenatentum bezeichnet. Weder mit Augustus noch mit Maece-nas ist Julius zu vergleichen.