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kannte in Schatten stellte, und drei Jahrhunderte hindurch, biszur Entdeckung der Parthenonskulpturen, als die höchste Voll-endung griechischer Plastik betrachtet wurde, die Laokoon-Gruppe.
Am 14. Januar 1506 stießen die Römer Felice de Freddi undsein Sohn beim Graben auf ihrem unweit des Wasserkastells derSette Sale in den Ruinen der sog. Titusthermen gelegenen Wein-gut auf eine verschlossene Nische. Als man sie öffnete, standman vor der von Plinius in seiner Naturgeschichte mit begeister-ten Worten gepriesenen Marmorgruppe des Laokoon. Wie einLauffeuer verbreitete sich die Kunde in der Stadt. Der Papst be-mühte sich sofort um das Werk, indem er Giuliano da Sangallo nach der Fundstätte sandte. Giulianos damals neunjährigerSohn erzählte später, daß er bei Tisch gesessen, als der Befehl beiseinem Vater eintraf. „Michelangelo “, so berichtet er weiter,„war unser ständiger Gast und befand sich gerade in jenemAugenblick in unserem Hause. Daher veranlaßte ihn auchmein Vater, ihn zu begleiten. Ich kletterte auf den Rückenmeines Vaters, und so begaben wir uns alle drei zu der bezeich-neten Stätte. Als wir in die Grube, in der sich die Statue be-fand, hinabgestiegen waren, sagte mein Vater sofort: „Das istder Laokoon, von dem Plinius spricht.“ Unverzüglich fing manan, die Grube zu erweitern, um das Werk herauszuziehen.Nachdem wir es genau untersucht hatten, gingen wir nachHause, um zu Abend zu speisen, wobei wir immer über dieseAntike plauderten.“
Am 23. März 1506 erwarb der Papst die Laokoongruppe.
Dem Finder und dessen Sohn Federigo wurden als Ent-schädigung auf Lebenszeit die Zolleinnahmen der Porta S. Gio-vanni bis zu einem jährlichen Betrage von 6 00 Golddukatenüberlassen.
In den nächsten Jahren kamen zu dem Museumsbestandedes Belvedere hinzu: die im Mai 1507 auf dem Campo de’ Fiori gefundene Gruppe des Heracles mit seinem Sohn Telepho auf demArm, die liegende Ariadne (welche man für Cleopatra hielt),ferner die im Januar 1512 bei S. Maria sopra Minerva gefundenegroße Statue des Tibers.