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Die Menge jubelte und rief anhaltend: „Es lebe Leo! Palle!Palle!“ Es war der gewohnte auf die Kugeln des mediceischenWappens sich beziehende Festruf. Immerfort erteilte der Papstnach beiden Seiten hin den Segen. So gelangte man zum Late-ran, wo zur Vermeidung von Unordnung große Vorbereitungengetroffen waren. Der Platz war abgesperrt, bei der Statue MarcAurels ein Tor erbaut, durch welches man auf denselben ge-langte. Früh morgens hatten Gian Giordano Orsini und Fabri-zio Colonna die Wache beim Porticus der Basilika übernommen,Prospero Colonna und der Graf von Pitigliano Lodovico Orsini,der aus florentinischem in päpstlichen Dienst übergetreteneSohn des berühmten venezianischen Feldhauptmanns, hattendas erwähnte Tor besetzt, bei welchem die Reiter abstiegen,worauf ihre Rosse durch einen anderen bei der Stadtmauer be-findlichen Einlaß hinausgeführt wurden.
Vom Porticus der Basilika bis zum Flochaltar war ein gegenzehn Fuß hoher hölzerner Fußboden errichtet, welchen nur diean der Zeremonie Teilnehmenden betraten.
Auf die Feierlichkeiten, welche teils in der Kirche, teils indem Konzilsaale und der Kapelle St. Silvesters stattfanden,folgte das Gastmahl, das des Papstes sehr einfach, das für dieKardinäle wie für alle Teilnehmer sehr glänzend. Es war spät,als man wieder aufbrach. Bis zu den Häusern der Massimi hieltder Zug dieselbe Straße ein, dann ging es über Campo de’ Fiori .
Alle Häuser glänzten im Lichterschein.
An der Engelsbrücke entließ der Papst die Kardinäle, wo-rauf er im Kastell abstieg und dort übernachtete.
II.
Das Jahr 1513 ist eines der kriegerischsten in der GeschichteItaliens gewesen. Julius II. hatte Oberitalien in beispiellosenVerwicklungen zurückgelassen.
Der neue Papst vermochte nicht zu verhindern, daß einer-seits die Franzosen , andererseits die Venetianer in das Herz derLombardei vordrangen und beide sich verbündeten. Indessen