Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Rom von 1492 bis 1592

des heiligen Stuhls, und bot ihm die Dienste Seiner Heiligkeit an.Der König antwortete voll Herablassung, entblößten Hauptesund in französischer Sprache. Man führte ihn in die ihm be-stimmten Gemächer des Palastes, von wo er alsbald zum Papsteging. Er küßte diesem den Fuß. Der Papst erhob und um-armte ihn. Im öffentlichen Konsistorium leistete der König dieObedienz durch seinen Kanzler, welcher niederkniete, währender selbst bedeckten Hauptes aufrecht stand.

In freundlichstem Verkehr blieben König und Papst dreiTage in demselben Palast zu Bologna wohnen, während Leosliebenswürdiges "Wesen, wie berichtet wird, alle Franzosen be-geisterte.

Der Vertrag von Viterbo wurde vollzogen. Der Papst über-lieferte dem König Parma und Piacenza ; er versprach, in zweiMonaten, gegen Geldentschädigung, Reggio und Modena an Al-fonso von Este zurückzugeben. Dagegen nahm Franz denKirchenstaat und die Medici in seinen Schutz und versprach denNepoten Leos Einkünfte und Würden in Frankreich .

IV.

Am ij. Januar 1516 starb Ferdinand der Katholische. SeinTod war ein großes Ereignis. Dieser König, seit mehr als20 Jahren einer der mächtigsten Charaktere in der europäischenPolitik, hatte die Mauren vertrieben und Spanien zu einer Mo-narchie ersten Ranges erhoben. Die Entdeckung Amerikas, dieEroberung Neapels und Navarras hatten seiner Krone Machtund Glanz verliehen.

Sein im Jahre 1 joo in Gent geborener (in den Niederlandenals flandrischer Thronerbe erzogener) Enkel Karl (als König vonSpanien Karl I., als deutscher Kaiser seit 1519 Karl V.) erbte1516 das spanische Reich Ferdinands.

Der Papst mußte auf eine neue französische Invasion gefaßtsein. England, Spanien, Frankreich, der Kaiser, Venedig suchtennach einem festen Boden inmitten der Erschütterung aller euro-päischen Verhältnisse. Daraus erwuchs ein Chaos von Ränkenund Bündnissen, von Heiratsprojekten und Gegenbündnissen.