Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

entgegen. Musikchöre begrüßten ihn. Drei Tage lang feierteman Freudenfeste.

Am i. Dezember 1521 hörte Leo, daß auch Parma über-gegangen sei.

An demselben Tage verschied er.

VII.

Auf die vorstehende Skizzierung der politischen Entwicke-lungen während der Regierungszeit Leos X . lassen wir nunmehrdie Berichterstattung über die Kultur dieses Zeitraumes in derStadt Rom folgen.

Dabei gehen wir von der Persönlichkeit Leos X. aus, welchenicht weniger als diejenige seines Vorgängers Julius II. richtung-gebend gewesen ist, freilich in wesentlich anderer Weise, alsdieser.

Den Charakter Leos X . haben die scharf beobachtendenvenezianischen Botschafter mit wenigen Strichen gut gezeichnet.Der Papst, urteilt Marino Giorgi in einem Schlußbericht vomMärz 1517,ist ein gutmütiger und sehr freigebiger Mann, derjede schwere Anstrengung scheut und den Frieden will. InKriege würde er sich nicht einlassen, wenn ihn die Seinigen nichtdarin verwickelten; er liebt die Wissenschaften. In der Litera-tur und im Kirchenrecht besitzt er schöne Kenntnisse. Vorallem ist er ein ausgezeichneter Musiker.Er ist gelehrt undFreund der Literaten, schreibt Marco Minio.Seine religiösenVerpflichtungen erfüllt er gewissenhaft, aber er will leben unddas Leben genießen; besonders erfreut er sich an der Jagd. Inder Relation des Marino Giorgi findet sich auch die Nachricht,,daß Leo X . nach seiner Wahl zu seinem Bruder Giuliano gesagthabe:Lasset uns das Papsttum genießen, da Gott es uns ver-liehen hat.

Die Meisterwerke der Alten in Kunst und Literatur unddie Schöpfungen der zeitgenössischen Künstler interessierten ihnnicht minder wie die spannenden Berichte über die neuentdeck-ten Länder, die eleganten Reden und zierlichen Gedichte der