Von 1513 bis 1521
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Humanisten, die leichtsinnigen Komödien eines Bibbiena undAriost , die hinreißenden Aufführungen ausgezeichneter Musiker,das geistreiche Spiel seiner Improvisatoren und die groben Späßeder damals an sämtlichen Höfen gerne gesehenen Buffoni. AllemUnangenehmen ging er möglichst aus dem Wege. Ein Grund-zug seines Wesens war unersättliche Vergnügungssucht.
Musik und Theater, Kunst und Poesie, die geistreiche undwitzige, oft derbe Konversation der Hofleute — das alles genoßLeo X . mit der heiteren Unbefangenheit und Sorglosigkeit einesvom Glück verwöhnten Weltkindes. Eine eigentümliche Mi-schung von rühmlichen und unrühmlichen Eigenschaften offen-bart sein ganzes Wesen, das leicht, heiter und unendlich vielseitigwar, jedoch des Ernstes, der Tiefe der Ursprünglichkeit ent-behrte. In allen Richtungen der Renaissancebildung schillernd,erschien er gerade hierdurch glänzend und zog Männer der ver-schiedensten Nationen und Charaktere unwiderstehlich an.
Einhellig gerühmt wird die feine Bildung des Papstes, seineEmpfänglichkeit für alles Schöne, seine hervorragende Redner-gabe, die Leichtigkeit und Eleganz im Abfassen von lateinischenund italienischen Briefen, sein glückliches Gedächtnis, seine guteUrteilsgabe, endlich die große Würde, Majestät und Frömmig-keit, die er bei seinen gottesdienstlichen Verrichtungen an denTag legte.
Auf Leo X. als Politiker zielt das Urteil Guicciardinis, daßder Papst sich minder gütig erwies, als man anfangs erwartethatte, daß er aber auch mehr Klugheit an den Tag legte, alsman sich vorgestellt hatte.
Bei Anführung der enormen Kosten des päpstlichen Haus-haltes bemerkt Marino Giorgi lakonisch: „Die Ursache davonsind die zahlreichen Florentiner, die sich von dem gutmütigenPapste füttern lassen.“ „Leo X. ,“ schrieb Marco Minio imJahre 1520, „ist nie bei Kasse, da er bei seiner Freigebigkeit Geldnicht zusammenzuhalten versteht und die Florentiner ihmkeinen Soldo lassen.“
Rom war schon oft von den Landsleuten des jeweiligenPapstes heimgesucht worden: unter Calixtus III. und Alex-
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