Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1276
Einzelbild herunterladen
 

1276

Rom von 1492 bis 1592

ander VI. waren es die Spanier, unter Pius II. die Sienesen, unterSixtus IV. die Ligurer gewesen, die in Scharen zum Hof ström-ten. Allein eine solche Überflutung, wie sie jetzt Rom vonFlorentinern erlebte, so berichten die Zeitgenossen, war nochniemals dagewesen.

Die starke Zuwanderung von Florentinern beschränkte sichnicht auf die Umgebung des Papstes. Sie war nur eine Teil-erscheinung der notorischen großen Zuwanderung nach Rom von allen Seiten, welche für die Epoche Leos X. berichtet wird.

Die Masse des römischen Volkes lebte von den Bedürfnissender Priesterkaste oder von dem Zufluß der Fremden.

Rom genoß unter Leo X. Ruhe, während Italien von Krie-gen entflammt war. Daher zogen viele Italiener nach der Stadtals einem sicheren Hafen. Seit Sixtus IV. hatten sich selbst Sla-vonier, Albanesen, Epiroten und Levantiner an der Ripetta fest-gesetzt. Seit Julius II. drang eine zahlreiche lombardische (d. h.nordische) Kolonie in das Marsfeld. Spanier, Flamländer, Loth-ringer und Burgunder saßen von Trastevere bis tief in das Mars-feld hinein, in Vierteln, deren Mittelpunkte ihre National-kirchen bildeten.

Nach der Angabe des Francesco Vettori stieg die Ein-wohnerzahl Roms zur Zeit Leos X . um ein Drittel, und Joviusberechnete sie vor dem Unglück des Jahres 1527 (sacco diRoma ) auf 8 5 000 Seelen.

Die verschwenderische Freigebigkeit Leos X. für Rom be-günstigte besonders auch die Interessen der Zugewanderten.

Es gab keinen Ort in der Welt, wo man sein Kapital so gutanlegen, so rasch zu Reichtum und Ansehen gelangen konnteund wo man so geringe Steuern zahlte.

Von Tag zu Tag, rühmte ein Redner,entstehen beieuch neue Gebäude, längs des Tibers bilden sich sowohl amjani-colo wie bei der Porta Flaminia (del Popolo) ganz neue Stadt-teile.